Archive for Mai, 2009

Deutschlands „beste“ Tageszeitung?


28 Mai

Als „Deutschlands beste Tageszeitung“ wird, besonders unter Journalisten, gerne die Süddeutsche Zeitung aus München bezeichnet. Mich hat diese Klassifizierung immer schon gewundert. Vieles in dieser Zeitung ist an banaler Eitelkeit nicht zu übertreffen. Das „Gutgeschriebene“ an ihren Artikeln häufig nur sprachliche Hilflosigkeit. Und speziell das wochenendliche „Magazin“ kommt über einen spätpubertären Charme oft nicht hinaus.

Was aber Redaktion und Autor dazu bewogen hat, sich in die Niederungen fäkalisierter Gossensprache zu begeben und einen Artikel über einen Speise-Eis-Test der Stiftung Warentest mit „Vanillesch…Eis“ zu überschreiben, das wird wohl auch den Wohlgesonnensten unter ihren Verfechtern ein Rätsel bleiben. Dass der Artikel auch noch unter der mäßig originellen Rubrik „Du bist, was Du isst“ erscheint, gleibt geschmacklich im Rahmen. Die „beste Tageszeitung Deutschlands“ würde anders schreiben. 

Amigo-Affaire: Enthüllungen über bayerische Medienkontrolleure


25 Mai

Medienkontrolleure der Landesmedienanstalten sollen eigentlich die Privatsender kontrollieren. In Bayern hat sich der ehemalige oberste Medienwächter offenbar Geld vom damaligen Chef des Regionalfensters eines Privatsenders geliehen. Wer etwas davon wusste, darüber berichtet das Medienmagazin Zapp des NDR in einem Beitrag, der auch auf Youtube zu sehen ist.

Schweinegrippe toppt Politik


20 Mai

Die Schweinegrippe und Themen rund ums Geld haben Politik und Politiker von Platz 1 der Nachrichten-Rangliste verdrängt. In den Nachrichtensendungen von ARD und ZDF rangierte die Politik mit  44 bzw. 33 Prozent immer noch weit vorne. Bei Sat.1 erreichte der Bereich Human Interest/Alltag/Buntes mit 25 Prozent den gleichen Umfang wie die Politikthemen.

Wirtschaftskrise und Schweinegrippe waren die Top-Nachrichtenthemen im April | medienhandbuch.de

Deutschlands Beliebtester Fernsehsender


19 Mai

Die TV-Illustrierte Fernsehwoche  hat über 1.000 Männern und Frauen zwischen 18 und 55 Jahren eine Frage gestellt: "Wenn Sie nur einen einzigen TV-Sender nutzen könnten: Welcher wäre es?"

Das Ergebnis: Die Deutschen mögen es privat. Hätten die Befragten nur noch einen Knopf auf ihrer Fernbedienung, dann würden sich 29 Prozent angeblich für RTL entscheiden. Platz zwei belegt ProSieben mit 24 Prozent, auf dem dritten Platz folgt VOX mit 9 Prozent. Für einen öffentlich-rechtlichen Sender als Favoriten entschieden sich insgesamt nur 25 Prozent der Befragten.

Fernsehwoche online – Home – Welcome

Der Die das: Fussballmeisterschaft bringt Bild durcheinander


12 Mai

Die Berliner Herta träumt vom Meistertitel im deutschen Fußball. Und die Bildzeitung träumt mit. Wer allerdings zuviel träumt, der verliert schon mal die orthographische Bodenhaftung. So liest man bei Bild-online:

Denn dann ist der Meisterschale greifbar nahe.

Der Bildzeitung ist ja bekannt für sein gute Beherrschung der deutshe Sprache. Hauptsache, man bildet sich eine Meinung.

Hertha BSC: Jet-Buchung für die Meister-Feier bei Köln-Sieg – Hertha BSC – Fußball-Bundesliga – Bild.de

Schöne neue Medienwelt: Vergewaltigungssimulation


11 Mai

rapelay   Auch das noch: Der japanische Computerspiele-Hersteller Softmap hat einen Titel namens "Rapelay" herausgebracht, der nichts anderes ist als eine Vergewaltigungssimulation. Japanische, amerikanische und britische Medien ziehen bereits über dieses "Spiel" her und diskutieren, wie weit Spieleprogrammierer bei ihren Simulationen gehen dürfen.

Die japanischen Medien in Form von NHK, FujiTV und Yomiuri stellen RapeLay öffentlich an den Pranger. In Amerika hat die Organisation Equality Now eine Kampagne „gegen Vergewaltigungssimulationen und der Verharmlosung sexueller Gewalt in Japan“ gestartet. Sie richtet sich vor allem gegen die Entwickler des Spiels, Illusion und dem japanischen Premierminister.

Amazon hat den Titel aus seinem Programm gestrichen, nachdem ein britischer Abgeordneter sich empört hat. Der Hersteller ist dagegen verwundert, liegt sein Programm doch schon seit 2006 vor, ohne dass bislang jemand sich daran gestört hätte.

News – Japanische Medien vs. Vergewaltigungssimulation – Areagames.de: Das Spieleportal

Stadtanzeiger im Bildungsranking


06 Mai

Wo haben die Redakteure des Kölner Stadtanzeigers eigentlich studiert? Richtig, sie können nur in Köln studiert haben. Die Universitätsstadt Köln hat gerade im Hochschulvergleich des „Centrum für Hochschulentwicklung“ wieder einmal schlecht abgeschnitten. Und wie zum Beweis kehrt der Stadtanzeiger (nota bene: in der Titelgeschichte!) sein geographisches Halbwissen fröhlich nach außen:

Insgesamt haben süddeutsche Uni wie Freiburg, Göttingen, Heidelberg und München einen sehr guten Ruf in den Naturwissenschaften.

Göttingen liegt in Süddeutschland? Das hieße aber doch, den Lesern ein niedersächsisches X für ein bayerisches U vorzumachen. Wie ungesundes Halbwissen in bleischwere Lettern verwandelt werden kann, dafür liefert auch der „Kultur“ genannte Teil dieser Zeitung ein Bleispiel. In einem beinahe ganzseitigen Beitrag zum Todestag von Alexander v. Humboldt wird behauptet, dass aus seinen Erkundungsreisen durch Südamerika das Werk „Der Kosmos“ hervorgegangen sei. Leute, die nicht nur über Bücher schreiben, sondern auch hineingucken, wissen allerdings, dass seine Reiseerfahrungen in „Ansichten der Natur“, in „Abenteuerliche Reise am Orinoko“ und in „Ansichten von den Kordilleren“ veröffentlicht wurden. Man hätte das zur Not übrigens auch googlen können.

Zukunft des Netzes


05 Mai

Heimatlosigkeit einmal anders: 200 Millionen verlassene Blogs soll es im Internet geben, hat die Unternehmensberatung Gartner errechnet. Es sind die Geisterdörfer der Blogosphäre. Dazu passt ein Gedanke, den Helmut Thoma, der ehemalige RTL-Chef, am vergangenen Wochende im Interview des Kölner Stadtanzeigers äußerte:

Irgendwann wird Internet ein Begriff sein wie heute das Morsen. Das war eine Form, Texte und Standbilder auf den Computer zu bekommen. Bald spielt sich alles auf immer größeren Fernsehflächen ab … Vielleicht ersetzt Spracherkennung die Tastatur und ich sage dem Fernseher die Adresse. Was ist dann Internet?

Schwein gehabt


03 Mai

Schweinegrippe: Das ist natürlich so ein Umstand, wie gemacht für Journalisten. Ein kurioses Wort, eine tödliche Bedrohung und doch so weit weg (Mexiko), dass man das Spektakel genießen kann wie der Zuschauer am Meeresufer den Schiffbruch. Die Einzelfälle, die sich hierzulande ereignen, halten das Thema am Kochen und erhöhen den Gruselfaktor. Aber jetzt, ojeh, was muss man da bei Spiegel Online lesen:

Allerdings ist in Kanada zum ersten Mal auch eine Infektion bei Schweinen nachgewiesen worden. Die Tiere sollen sich bei einem kranken Bauern angesteckt haben, der zuvor aus Mexiko zurückgekehrt war.

Die Schweinegrippe jetzt auch bei Schweinen? Also, mit Verlaub, das versteht doch kein Schwein.

Ein Auge werfen


03 Mai

Der Kölner Stadtanzeiger hat als echtes Revolverblatt wieder einmal ein Auge auf die Polizei geworfen. Diesmal geht es um eine Polizistin, die selbst nicht nur schöne Augen macht, sondern auch ein zusätzliches hat: Eine Fahrradpolizistin mit Videoausrüstung.

Stephanie Schleifer ist Kölns erste Video-Fahrradpolizistin und wird es zunächst auch bleiben.

Auf den Gebrauch der deutschen Sprache hätte man in der Redaktion des Stadtanzeigers allerdings auch ein Auge werfen können. Wenn Frau Schleifer nämlich „Kölns erste Video-Fahrradpolizistin“ ist, dann wird sie es nicht „zunächst“ bleiben, sondern auf immer und ewig. Jede weitere mit Video ausgestattete Amtsperson wird bestenfalls die zweite, dritte usf. sein können. Doch wie soll man das der Redaktion erklären: Sie bleibt eben die blinde unter den Einäugigen …

Anti-Medien-Blog

Die journalistische Notfallpraxis im Web von Hektor Haarkötter