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Mit der AfD in den Karneval


25 Feb

Von der Knallcharge zum Büttenredner ist es ja, jedenfalls nach Meinung eingefleischter Karnevalshasser, nur ein kleiner Schritt. Das ZDF hat diesen Schritt nun sehr deutlich nachgezeichnet: In seiner Fernsehsitzung Karnevalissimo, die vergangenen Dienstag ausgestrahlt wurde, ließ der Mainzer Sender den Büttenredner Hans-Peter Faßbender alias „Dä Bundeswehrsoldat“ auftreten. Faßbender ist AfD-Mitglied und verbreitet auf seiner Facebook-Seite übelste Ausländerhetze, wie selbst die Bild-Zeitung kolportieren musste:

Ausschnitt: Bild-Zeitung

Ausschnitt: Bild-Zeitung

Der Mediendienst Meedia fasst den karnevalistisch-politischen Unglücksfall so zusammen:

Noch bedrückender als eine Karnevals-Show ist es allerdings, sich mit der Facebook-Seite von Hans-Peter Faßbender zu beschäftigen. Der Büttenredner selbst äußert sich dort zwar nur höchst selten, doch teilt er manisch die Beiträge anderer. Und die bestehen fast ausschließlich aus übelster Hetze, vor allem gegen Ausländer, und insbesondere gegen Flüchtlinge.

Der Branchendienst fasst die schlimmsten Entgleisungen im Facebook-Auftritt von Faßbender so zusammen:

„Schwarzafrikaner ersticht 22-Jährige auf offener Straße – es war wieder ein Asylbewerber“, „Flüchtling zerschneidet Omi Gesicht, vergewaltigt und beraubt sie – die Medien schweigen“, „Keine Betten für kranke Kinder, Sonderbehandlung für Asylanten: Schockierende Zustände in Berliner Krankenhäusern“. Wer die ekelhafteste Rechtspropaganda lesen will, die Frustrationsprosa der abgehängten Kleinbürger, das blinde Wüten mit Hilfe von Fake News gegen alles Fremde im Land, der ist auf der Facebook-Seite von Hans-Peter Faßbender genau richtig.

Das ZDF äußert lapidar, man habe von den rechten Entgleisungen Faßbenders nichts gewusst.

Auch der SWR wollte da, was das Hofieren der Faschisten Rechtspopulisten von der AfD angeht, nicht hintanstehen. Bei der Live-Übertragung von „Mainz bleibt Mainz“ am gestrigen Freitag im ARD-Programm begrüßte Sitzungspräsident Andreas Schmitt neben Regierungsmitgliedern und der rheinland-pfälzischen Oppositionsführerin Julia Klöckner (CDU) auch den rheinland-pfälzischen AfD-Vorsitzenden Uwe Junge. Der ehemalige Bundeswehrsoldat Junge entging einer Dienstaufsichtsbeschwerde wegen Beleidigung und Diskriminierung einer lesbischen Bundeswehrsoldatin nur deswegen, weil er wegen seines politischen Engagements den Dienst quittierte. Begrüßt werden bei solchen Gelegenheiten Ehrengäste, also Leute, denen man eine besondere Ehre erweisen will. Die ARD sieht es offensichtlich für erforderlich an, einem faschistischen rechtspopulistischen Hetzredner die Ehre zu erweisen. Prost Mahlzeit!

Es war Kabarettlegende Dieter Hildebrandt, der auf die Frage, ob es „rechtes Kabarett“ gebe, geantwortet haben soll: Ja, Büttenreden.

Das Lügenpressen-Märchen


19 Apr
luegenpresse

Screenshot: www.lügenpresse.de

Insbesondere aus Pegida- und AFD-Kreisen müssen sich Journalist/innen in der letzten Zeit den Vorwurf der Lügenpresse gefallen lassen. Gegen den pauschalen Vorwurf der Falschberichterstattung wehrt sich jetzt eine Gruppe von Journalisten und hat mit lügenpresse.de einen Anti-Lügenpressen-Blog gegründet.

„Über Monate haben wir Journalisten geschwiegen. Wir ließen uns beschimpfen und wehrten uns kaum. Wir ertrugen den Un-Sinn aller Montagsredner und waren fortan die ‚Lügenpresse‘. Überall! Im Fußball-Stadion, im Stadtgespräch, sogar im Familienkreis. Und viele dachten, das geht von allein wieder weg. Tut es aber nicht! Deshalb wird es Zeit, dass die ‚Lügenpresse‘ das Wort ergreift und wir unsere Version erzählen. Hier spricht also die ‚Lügenpresse‘!“

Hinter dem Blog steckt die DDV-Mediengruppe, die unter anderem die Sächsische Zeitung und die Dresdner Morgenpost herausgibt. Mit Sitz in Dresden kann man also sagen, dass die Macher im Herzen der Bestie stecken und vermutlich ganz persönlich getroffen sind von den unsachlichen Angriffen.

Auch der Deutsche Journalisten Verband (DJV) nimmt sich im Web des Themas an. Der Blog Augenzeugen.info sammelt Berichte von Journalist/innen, die in Ausübung ihrer Tätigkeit angegriffen worden sind.

luegenpresse_transcript_buchWer historische und wissenschaftliche Hintergründe zum Lügenpressen-Vorwurf nachlesen will, dem sei die Studie von John Seidler „Die Verschwörung der Massenmedien“ empfohlen. Seidler, der auch Dozent an der Kölner Sporthochschule ist, skizziert eine Kulturgeschichte angeblicher Medienverschwörungen vom Buchhändler-Komplott bis zum Lügenpresse-Vorwurf. Das Buch ist jüngst im Bielefelder Transcript-Verlag erschienen.

Anti-Medien-Blog

Die journalistische Notfallpraxis im Web von Hektor Haarkötter