Posts Tagged ‘Köln’

Rechenschwäche: Kölner Express vergleicht Äpfel- mit Birnbäumen


09 Aug

Man soll ja nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Aber der Kölner Express tut es doch, oder jedenfalls Apfel- mit Birnbäumen:

“Fast 90 Prozent der knapp fünf Millionen Obstbäume für den kommerziellen Anbau in NRW sind Apfelbäume”.

Begleitet wird diese statistische Angabe von folgender Tabelle:

Quelle: Express vom 09.08.2012

Zusammengerechnet ergibt sich eine Gesamtfläche von 2225 Hektar Obstbäumen. Würden Apfelbäume flächenmäßig wirklich, wie der Express ja behauptet, 90 Prozent davon einnehmen, wären das aber 2002 Hektar. Davon sind die nordrheinwestfälischen Apfelbäume aber offenbar weit entfernt. Man könnte noch überlegen, ob in der Meldung die “Zahl” der Bäume und nicht die Fläche gemeint sind — und es könnte ja sein, dass auf einen Hektar Gartenland mehr Apfelbäume passen als andere Obstbäume. Glaubt man allerdings den gartenbaulichen Angaben auf dieser Seite, ist das gerade nicht der Fall: Demnach benötigen Apfelbäume sogar besonders viel Platz im Garten (12 x 12 m pro Baum) im Vergleich zu Kirsche (4 x 4 m), Pflaume (6 x 6) oder auch der Birne (8 x 8). Wie man den Apfel dreht und wendet, der Express hat hier wohl in den sauren Apfel gebissen und großen Unsinn verzapft.

Wenn eine, Journalisten ohnehin nachgesagte, Rechenschwäche auf übertriebenes Selbstbewusstsein trifft, wie es beim Kölner Express der Fall ist, rückt man eine solche Meldung nebst Tabelle auch noch auf die Titelseite.

Art Cologne: Von wegen Postmedienzeitalter


23 Apr

Gestern ging in Köln die Art Cologne zu Ende, die “größte deutsche Kunstmesse”, wie Journalisten das dann gerne nennen. Und hier im weitläufigen Kölner Messegelände, in dem die kreative Avantguarde sich präsentiert, müsste doch jene These vom Postmedienzeitalter sich beweisen, die insbesondere in der Kunstwissenschaft ihren Ausgang genommen hat. Doch weit gefehlt: Es flimmerte, rauschte, fiepte und klapperte, was der mediale Zeitgeist nur hergab.

Der österreichische Künstler Albert Mayr installiert alles, was nur irgendwie nach Medien aussieht: Bildschirme, Mikrophone, Stative, Lautsprecher, alle werden ihrer eigentlichen medialen Funktion beraubt und auf ihre dekorative Funktion reduziert. Die TV-Installation von Edward und Nancy Kienholz zeigen die Vergangenheit einer Zukunft, den Monitor von gestern, mit dem man sich einst die Zukunft vorstellte:

Kein Wunder, dass die Kölner Kunsthochschule für Medien ihre eigene Abteilung auf der Art Cologne hatte. Es wird wohl noch eine Zeit dauern, bis aus der Einreichung eine Kunsthochschule für Postmedien werden wird.

 

 

Medien: Ein- und Ausgänge


28 Okt

Wer Zugang zu Medien sucht, kann im Kölner Stadtwald fündig werden:

Aber wie kommt man aus den Medien wieder raus? Wo ist der “Ausgang Medien”?

 

 

Besser schlecht autofahren als schlecht rechnen


20 Sep

Ausschnitt: KStA vom 13.09.2011

Für den Leser des Kölner Stadtanzeigers ist der Fall klar: Autokennzeichen “BM” (= Bergheim) steht für “bereifte Mörder”. “SU” (=Siegburg) heißt “suche Unfall”. Und “EU” (=Euskirchen) bedeutet “Esel unterwegs”. Doch die Statistik der deutschen Autoversicherer spricht eine andere Sprache, und da tut der Kölner Stadtanzeiger fraglos einen guten Dienst in Sachen Aufklärung: Alle ungeliebten Nachbarn liegen in bei den Autoversicherern besser als die Kölner Autofahrer. Doch kennt der Kölner sich offenbar im Autofahren ebenso wenig gut aus wie in Statistik. Denn die Begründung der Journalisten vom Kölner Stadtanzeiger lautet so:

Köln ist eine Millionenstadt mit sehr dichtem Verkehr. Da fahren eben viel mehr Autos als auf dem platten Land des Rhein-Erft-Kreises, also passiert auch mehr.

Das kann man statistisch so natürlich nicht stehenlassen: Der dichte Verkehr taugt nur als Begründung für ein Mehr an Unfällen in ganzen Zahlen, nicht aber prozentual. Bei einer Unfallwahrscheinlichkeit von, sagen wir: 10 % gäbe es dann beispielsweise am Tag auf dem Land 5 Unfälle und in der Stadt vielleicht 50. Das würde aber nichts an der Tatsache ändern, dass hier wie da 10 % der Autofahrer in einen Verkehrsunfall verwickelt wären. Da wären noch Zusatzannahmen nötig wie: Die Wahrscheinlichkeit von Auffahrunfällen ist bei dichtem Verkehr höher o.ä.

Quintessenz: Im Autofahren sind die Kölner genau so gut wie in Statistik. Armes Schutzblech!

Anti-Medien-Blog

Die journalistische Notfallpraxis im Web von Hektor Haarkötter