Archive for the ‘öffentlich-rechtlicher Rundfunk’ Category

Afd-Frontfrau Alice Weidel will keine „Nazi-Schlampe“ sein


03 Mai
Extra3AfD

Christian Ehring, Moderator von Extra3 (NDR)

Die Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) will das NDR-Satire-Magazin Extra3 verklagen. Die beim AfD-Bundesparteitag in Köln zur neuen „Front“-Frau gewählte Alice Weidel erklärte ebendort:  „Die politische Korrektheit gehört auf den Müllhaufen der Geschichte.“ Extra2-Moderator Christian Ehring konterte darauf: „Jawohl, lasst uns alle unkorrekt sein. Da hat die Nazi-Schlampe doch recht“.

Die Frankfurter Rundschau kommentiert dies, in übrigens äußerst korrektem Deutsch:

„Selten ist bisher eine Forderung der AfD in einer Sendung des öffentlich-rechtlichen Programms so mustergültig umgesetzt worden. Ehring zeigte sehr präzise, was geschieht, wenn der Sprache das als „political correctness“ verhöhnte zivilisatorische Minimum  genommen und die Diffamierung des politischen Gegners zum umgangssprachlichen Standard erklärt wird. Das entsprach einerseits  – wenn auch nur im Wortsinn – der Forderung der AfD-Politikerin, andererseits war es allerberste Aufklärung: Nichts anderes ist die Aufgabe der Satire“.

Der entsprechende Ausschnitt der Sendung lässt sich (noch) bei YouTube ansehen:

Macht WDR Wahlwerbung für Rechtsextremisten?


28 Apr

Im Prinzip klingt es erst einmal ganz gut, was der WDR da zur Landtagswahl 2017 in Nordrhein-Westfalen veranstaltet hat:

Wir wollen (…) möglichst vollständig darüber informieren, wer sich in NRW eigentlich zur Wahl stellt. Jeder Bürger soll alle Kandidaten/innen aus seinem Wahlkreis in kurzen Videos vergleichen können.

Darum hat der WDR die 1329 KandidatInnen für einen Sitz im Düsseldorfer Landtag interviewt, und zwar standardisiert: Immer vier Minuten, immer dieselben Fragen.  Und all diese kleinen Wahlwerbespots hat der WDR auf seiner Internetseite Kandidatencheck ins Internet gestellt.

Quelle: wdr.de

Aber ist die Idee wirklich so gut? (mehr …)

Mit der AfD in den Karneval


25 Feb

Von der Knallcharge zum Büttenredner ist es ja, jedenfalls nach Meinung eingefleischter Karnevalshasser, nur ein kleiner Schritt. Das ZDF hat diesen Schritt nun sehr deutlich nachgezeichnet: In seiner Fernsehsitzung Karnevalissimo, die vergangenen Dienstag ausgestrahlt wurde, ließ der Mainzer Sender den Büttenredner Hans-Peter Faßbender alias „Dä Bundeswehrsoldat“ auftreten. Faßbender ist AfD-Mitglied und verbreitet auf seiner Facebook-Seite übelste Ausländerhetze, wie selbst die Bild-Zeitung kolportieren musste:

Ausschnitt: Bild-Zeitung

Ausschnitt: Bild-Zeitung

Der Mediendienst Meedia fasst den karnevalistisch-politischen Unglücksfall so zusammen:

Noch bedrückender als eine Karnevals-Show ist es allerdings, sich mit der Facebook-Seite von Hans-Peter Faßbender zu beschäftigen. Der Büttenredner selbst äußert sich dort zwar nur höchst selten, doch teilt er manisch die Beiträge anderer. Und die bestehen fast ausschließlich aus übelster Hetze, vor allem gegen Ausländer, und insbesondere gegen Flüchtlinge.

Der Branchendienst fasst die schlimmsten Entgleisungen im Facebook-Auftritt von Faßbender so zusammen:

„Schwarzafrikaner ersticht 22-Jährige auf offener Straße – es war wieder ein Asylbewerber“, „Flüchtling zerschneidet Omi Gesicht, vergewaltigt und beraubt sie – die Medien schweigen“, „Keine Betten für kranke Kinder, Sonderbehandlung für Asylanten: Schockierende Zustände in Berliner Krankenhäusern“. Wer die ekelhafteste Rechtspropaganda lesen will, die Frustrationsprosa der abgehängten Kleinbürger, das blinde Wüten mit Hilfe von Fake News gegen alles Fremde im Land, der ist auf der Facebook-Seite von Hans-Peter Faßbender genau richtig.

Das ZDF äußert lapidar, man habe von den rechten Entgleisungen Faßbenders nichts gewusst.

Auch der SWR wollte da, was das Hofieren der Faschisten Rechtspopulisten von der AfD angeht, nicht hintanstehen. Bei der Live-Übertragung von „Mainz bleibt Mainz“ am gestrigen Freitag im ARD-Programm begrüßte Sitzungspräsident Andreas Schmitt neben Regierungsmitgliedern und der rheinland-pfälzischen Oppositionsführerin Julia Klöckner (CDU) auch den rheinland-pfälzischen AfD-Vorsitzenden Uwe Junge. Der ehemalige Bundeswehrsoldat Junge entging einer Dienstaufsichtsbeschwerde wegen Beleidigung und Diskriminierung einer lesbischen Bundeswehrsoldatin nur deswegen, weil er wegen seines politischen Engagements den Dienst quittierte. Begrüßt werden bei solchen Gelegenheiten Ehrengäste, also Leute, denen man eine besondere Ehre erweisen will. Die ARD sieht es offensichtlich für erforderlich an, einem faschistischen rechtspopulistischen Hetzredner die Ehre zu erweisen. Prost Mahlzeit!

Es war Kabarettlegende Dieter Hildebrandt, der auf die Frage, ob es „rechtes Kabarett“ gebe, geantwortet haben soll: Ja, Büttenreden.

Vor 65 Jahren: Das erste Micky-Maus-Heftchen erscheint


31 Aug

mickeym02Zeitungsenten mal anders: Vor 65 Jahren, genau am 28. August 1951, erscheint in Deutschland das erste Micky-Maus-Heftchen. Die Meinungen darüber gingen von Beginn an weit auseinander. Die Berliner Tageszeitung Der Tagesspiegel schrieb:

„Mit den Bilderserien springt die Menschheit zurück in eine Urwelt der Bilder und Symbole. Es ist der Sprung über die Aufklärung hinweg in ein wollüstiges Analphabetentum. Kann man die zwar harmlosen, aber unendlich hingedehnten und aufgeschwollenen Micky-Maus-Hefte überhaupt ansehen ohne zu erschrecken über die Banalität der Texte in ihrem infantilen Pidgin-Englisch und über die Rückerziehung zum Primitiven?“

Im WDR Zeitzeichen dagegen äußert sich der Literaturkritiker Dennis Scheck eher hymnisch:

„Sie hat diese Geschichten in das Stahlbad der deutschen Klassik getaucht und eine Sprache dafür gewählt, die deutlich geprägt war von Hölderlin, von Schiller. Sie hat im Grunde eine Möglichkeit eröffnet, wie man als Kind schon und als kindlicher Leser einen Sprachkosmos betreten kann, der an Komplexität nichts zu wünschen übrig lässt“.

Immerhin sind die häufigen Interjektionen als typisches Merkmal der Comic-Sprechblasen („würg“, „grübel grübel“ etc.) auch zu sprachwissenschaftlichen Ehren gekommen und werden nach der deutschen Micky-Maus-Übersetzerin Erika Fuchs auch „Erikative“ genannt.

Im gleichen Zeitzeichen sind auch interessante Details zu erfahren, zum Beispiel das Entenhausen nur in Deutschland so heißt oder dass der stellvertretende Kulturchef der F.A.Z. bekennender „Donaldist“ ist. Etwas trübt den schönen Eindruck dieses Minifeatures, dass es deutliche und nicht ausgewiesene Anleihen bei einem Beitrag zum gleichen Thema genommen hat, das vor fünf Jahren im Deutschlandfunk gelaufen ist.

 

Welches Medium informierte über den Türkei-Putsch?


18 Jul

Mit einem Facetime-Video soll Erdogan sich in der Nacht des türkischen Militärputsches in der Öffentlichkeit zurückgemeldet und dadurch den Putschisten das Wasser abgegraben haben. Aber stimmt das? Welches Medium hat am besten über den Putschversuch in der Türkei informiert?

„How FaceTime stopped the Turkish coup“ titelte die britische DailyMail online. FaceTime und damit ein Onlinevideosystem soll den Putschversuch in der Türkei zu Fall gebracht haben. Das „Beweisfoto“ allerdings erzählt etwas anderes:

Erdogan_used_FaceTime_to_talk_to_a_journalist

Die Reporterin hält zwar tatsächlich ein Apple IPhone mit dem Konterfei Erdogans hoch, aber wo tut sie es? Sie tut es im Fernsehen, dem türkischen Nachrichtenkanal NTV. Nach wie vor nur über das Fernsehen erzielt man die Reichweite, um eine so große Menge an Menschen, Wählern und Bürgern zu erreichen, dass man sogar einen Militärputsch aufhalten kann.

In Deutschland allerdings kamen die ersten Nachrichten nahezu in Echtzeit über das Internet und auf den Mobiltelefonen an: Wer Bekannte oder Kollegen in der Türkei hatte, der twitterte mit ihnen oder nutzte WhatsApp für neueste Informationen.

Mich selbst erreichten die ersten beunruhigenden Nachrichten in der Türkei auf dem abendlichen Semesterabschlussfest meiner Hochschule. Journalistenkollege Frank Überall war gerade von einer beruflichen Reise aus Istanbul zurückgekehrt und twitterte, was das Zeug hielt. Wir checkten die deutsche ntv-App und guckten, was englische Medien so im Netz zu berichten wussten.

Als ich mich gegen 23 Uhr nachhause begab, schaltete ich das Fernsehen an und erlebte eine Enttäuschung: Nur der deutsche Nachrichtenkanal ntv war in der Türkei live dabei. ARD und ZDF inkl. ihrer Spartenkanäle war das umwälzende Ereignis nicht einmal ein Schriftband wert. Auch der andere „Nachrichtenkanal“, N24, sendete lieber seine Dokumentation weiter, als das Programm für die Breaking News aus der Türkei zu unterbrechen.

Also doch: Online first.

2. Kölner Forum für Journalismuskritik


21 Jun

Am 10.Juni 2016 veranstaltete die Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) e.V. zusammen mit dem Deutschlandfunk das 2. Kölner Forum für Journalismuskritik. Hier ein paar Videoimpressionen von dieser Veranstaltung:

ZDF: Horrorfilm statt Kinderprogramm


30 Mai

horror-film-1236105_960_720Gruselige Panne im Kinderprogramm des ZDF am Sonntagmorgen: Statt „Coco – Der neugierige Affe“ lief eine halbe Stunde lang „Halloween – Die Nacht des Grauens“. Schuld sei ein Umsetzungsfehler der ZDF-Sendeleitung gewesen. Um 6 Uhr 29 wurde der Horrorstreifen wieder  aus dem Programm genommen. Mehrere Zuschauer hatten sich zuvor bei dem Sender beschwert, wie der Tagesspiegel zu berichten weiß.

ZDF-Fernsehrat hat miese Quote


25 Feb
Foto: Adam Dachis/Flickr

Foto: Adam Dachis/Flickr

Die Plätze in den Rundfunkräten und Fernsehräten der öffentlich-rechtlichen Anstalten sind sehr begehrt und heiß umkämpft. Aber wenn man als Politiker einen solchen Posten ergattert hat, lässt das Interesse offenbar manchmal schlagartig nach: Nur gut zwei Drittel der 77 Mitglieder des ZDF-Fernsehrats seien im Durchschnitt bei den Plenar- und Ausschusssitzungen 2015 anwesend gewesen, wie epd Medien aktuell berichtet. Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) und die ehemalige SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi hätten an keinem einzigen Treffen teilgenommen, Christian Pegel, Energieminister von Mecklenburg-Vorpommern, sei zu nur einer von sieben Sitzungen gekommen. Je nach Mitgliedschaft in den Ausschüssen hätten die in den Fernsehrat entsandten Personen pro Jahr bis zu 16 Termine beim ZDF. Die Mitgliedschaft sei ehrenamtlich, allerdings zahle der Sender eine monatliche Aufwandsentschädigung, Reisekosten und Sitzungsgelder.

Dreimal Null is Null bleev Null


09 Feb

bläckföössKarnevalssitzungen im Fernsehen

Die Kölner Karnevalsband „Bläck Fööss“ ist Legende. Jetzt hat Gründungsmitglied Erry Stoklosa bekannt gegeben, dass die Kapelle künftig in Fernsehsitzungen nicht mehr auftreten möchte. Die „Fööss“ waren nämlich mit der Präsentation ihres Auftritts in der ZDF-Mädchensitzung überhaupt nicht einverstanden.

Normalerweise treten Bands in Kölner Karnevalssitzungen für ca. 20 Minuten auf und können in dieser Zeit fünf bis sechs ihrer Lieder spielen. Da heizt man dann mit den eigenen Evergreens die Stimmung an, um dann das ein oder andere neukomponierte Stück unterzujubeln.

Das ZDF allerdings hatte pro Band nur ein einziges Lied übertragen. Im Falle der „Fööss“ war das eines der neuen Sessionslieder, die zum Zeitpunkt der Fernsehaufzeichnung niemand kannte. Der Fernsehzuschauer musste den Eindruck gewinnen, dass die Kultband „Bläck Fööss“ ein Stimmungsversenker ist.

Bemerkenswert ist die Begründung, die der Vizepräsident des Kölner Festkomitees gegeben hat:

„Es geht um Einschaltquoten. Untersuchen haben ergeben, dass bei Musikbeiträgen rund eine Million Zuschauer wegschalten. Die Sender würden am liebsten nur Redner zeigen“.

Die ZDF-Mädchensitzung hatte eine Einschaltquote von 14,5%. Das macht umgerechnet ca. 4,5 Millionen Zuschauer. Rechnet man das weiter, bedeutet das, dass schon beim Auftritt der fünften Karnevalskapelle die Zuschauerzahlen sich im Minusbereich bewegen. Oder anders ausgedrückt: Weniger Zuschauer als Einschalter. Oder auf kölsch: Dreimal Null ist Null bleev Null.

Bei normalen Karnevalssitzungen, die nicht im Fernsehen ausgestrahlt werden, ist es übrigens gerade umgekehrt: Da haben es die Redner sehr schwer, während das Publikum bei den Musikgigs richtig „abgeht“. Köln stellt halt alles auf den Kopp …

 

Umfrage: Sind wir alle „Lügenpresse“?


05 Nov
Foto: BirgitH/Pixelio

Foto: BirgitH/Pixelio

20 Prozent der Bundesbürger halten laut Meinungsforschungsinstitut Infratest Dimap  den Vorwurf der „Lügenpresse“ gegenüber den deutschen Medien insgesamt für gerechtfertigt. Das hat eine repräsentative Umfrage ergeben, die das Institut im Auftrag des Radiosenders WDR5 angestellt hat. Die Behauptung,  dass in deutschen Medien gelogen, also absichtlich die Unwahrheit gesagt wird, befürworten sogar 39 Prozent der Befragten. Auf die Frage, welchen Medien genau sie diesen Vorwurf machen, nannten 30 Prozent der Befragten das öffentlich-rechtliche Fernsehen.

Das sind deutliche Zahlen, die recht eindrucksvoll den Glaubwürdigkeitsverlust der Medien und des Journalismus widerspiegeln. Umso verwunderlicher, wie der auftraggebende Sender WDR5 diese Zahlen interpretiert:

Mit dem alten Nazi-Kampfbegriff „Lügenpresse“ bringen die Anhänger der „Pegida„-Bewegung gerne ihre Verachtung für die Medien zum Ausdruck. Der überwiegende Teil der Bundesbürger sieht das anders. Das ergab eine Studie des Meinungsforschungsinstituts infratest dimap.

So kann man die Umfrageergebnisse eigentlich nicht interpretieren, außer man will genau den Vorwurf belegen, es mit der (statistischen) Wahrheit nicht ganz so genau zu nehmen. Denn tatsächlich sind die Werte und der Glaubwürdigkeitsverlust gerade auch der öffentlich-rechtlichen Programme dramatisch. Das sieht der von dem Sender befragte Konfliktforscher Andreas Zick auch so, und glaubt sogar noch, dass die Zahlen noch steigen könnten:

Diese 20 Prozent stellen für den Konfliktforscher Prof. Andreas Zick „einen relativ hohen Wert“ dar. Der Direktor des Bielefelder Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung sagte dazu dem WDR: „Die Bezeichnung ‚Lügenpresse‘ ist ein sehr hartes Urteil aus dem rechtspopulistischen Raum. Diese Menschen sind von den etablierten Medien eindeutig nicht mehr zu erreichen und orientieren sich woanders. Sie befinden sich im Zustand der Orientierungslosigkeit – und in diesem Zustand greift Propaganda. Diese 20 Prozent sind für Populisten durchaus noch ausbaufähig.“

42 Prozent der Befragten gehen auch davon aus, dass es Vorgaben der Politik für die Medien gibt. Dieses Problem kennen öffentlich-rechtliche Sender ja gut. Die ganze Umfrage ist im Netz hier zu finden:

„Glaubwürdigkeit der Medien“ (pdf)

 

 

Anti-Medien-Blog

Die journalistische Notfallpraxis im Web von Hektor Haarkötter