Archive for the ‘KStA’ Category

Immer aktuell: der Kölner Stadtanzeiger


26 Aug

Auch wenn man regionalen Tageszeitungen kritisch gegenüber steht, muss man doch ehrlichkeitshalber feststellen, dass sie auch über entlegene Lebensbereiche immer höchst aktuell berichten. Zum Beispiel der Kölner Stadtanzeiger, und das abseitige Lebensthema heißt Fernsehprogramm. Da ist in der heutigen Ausgabe zu lesen:

TV AKTUELL
Markus Lanz
23 Uhr, ZDF
Gäste:
Peter Zwegat, Deutschlands bekanntester Schuldnerberater. Nina Hagen, Sängerin, Schauspielerin und Songwriterin. Jürgen Kuhl, „Der Dollarfälscher“.

Toll. Das ist eine wichtige Information. Nur aktuell ist sie leider nicht. War nämlich gestern. Heute ist bei „Lanz“ zu sehen:

* Andreas Laun, Weihbischof in Salzburg, der es für nicht abwegig
      hielte, wenn es Gott war, der die Loveparade gestraft hätte, weil
      sie „objektiv Sünde und eine Einladung zur Sünde“ sei.
* Desiree Nick, Kabarettistin, die früher mal Religion gelehrt hat
* Katharina Saalfrank, bekannt als rtl-„Supernanny“, eine Pfarrerstochter, die sich in Ihrem Elternhaus wohl gefühlt hat
* Ulli Schauen, Autor des Kirchenhasser-Breviers.

Naja, kann ja mal vorkommen.

Schlagzeilen – Nachrichten – Kölner Stadt-Anzeiger

Kölner Stadt-Anzeiger erfindet den Jahrgangsroman


24 Aug

Dass gute Literatur etwas für die Feinschmecker unter den Lesern ist, hat sich in kulinarischen Kreisen ja herumgesprochen. Der Kölner Stadtanzeiger — eines der wenigen Qualitätsblätter, deren Qualität darin besteht, sich kein eigenes Feuilleton zu leisten und die Kulturberichterstattung auf die hinteren Seiten des Sportteils zu verbannen — hat nun den Jahrgangsroman erfunden. Anlässlich Philipp Meyers Debütroman „Rost“ vermeldet er:

In den USA wurde der Roman als einer der besten seines Jahrgangs gefeiert.

Wenn jetzt schon Romane einen Jahrgang haben, dann ist klar, dass die Gutenberg-Galaxie irgendwie in die Jahre gekommen ist.

Kölner Stadt-Anzeiger – ePaper

Kölner Stadt-Anzeiger stolpert über Theo Albrechts Mercedes


06 Aug

Ein Mercedes steht zum Verkauf: Es ist die Limousine des kürzlich verstorbenen Aldi-Gründers Theo Albrecht. Der Verstorbene muss panische Angst vor einer neuerlichen Entführung gehabt haben, nachdem er 1971 ganze sechszehn Tage lang in der Hand von Kidnappern war. Das Fahrzeug bietet Sicherheitsstandards der Präsidentenklasse. Der Fahrbericht im Kölner Stadtanzeiger liest sich indes so:

Trotz seiner 3,5 Tonnen ist die gepanzerte Limousine mit ihrem 4,2-Liter-Motor mit 278 PS fast eine lahme Ente.

Müsste es nicht eigentlich heißen: „Trotz ihrem 4,2 Liter-Motor mit 278 PS ist die gepanzerte Limousine mit ihren 3,5 Tonnen eine lahme Ente“? Naja, bei so viel Zahlen kann man schon mal durcheinander kommen.

Theo Albrechts Mercedes wird verkauft – Kölner Stadt-Anzeiger

Kölner Stadtanzeiger: Der Druck wächst


21 Jun

Der Druck wächst. Aber vielleicht nicht der Druck innerhalb der FDP, wie der Kölner Stadtanzeiger heute behauptet, sondern der Druck im Kessel jener Dampfmaschine, die einige Redakteure statt eines Gehirns im Oberstübchen haben. Wie sonst könnte in der Kölner Gazette folgendes zu lesen sein:

Kritik an Guido Westerwelles Doppelrolle in Hessen

Der Mann hat zwar alles mögliche, zum Beispiel (wie man in Köln sagt) den Ratsch im Kappes, aber eine Doppelrolle in Hessen ist von Herrn Westerwelle bislang nicht bekannt.

Defizite nicht nur monetär


21 Jun

_Stadtanzeiger_Defizit Wenn Journalisten, wie zum Beispiel die vom Kölner Stadtanzeiger, rechnen sollen, wird aus höherer Mathematik gerne niedere. Am Wochenende berichtete das Blatt unter der Überschrift „Die Stadt Köln – ein armer Milliardär“ über das angebliche Haushaltsdefizit der Stadt. Aber wie so oft bei der Lektüre dieser Zeitung muss der Leser vor allem eines, nämlich sich wundern. Da ist beispielsweise in der Unterüberschrift zu lesen:

Finanzloch: Im Etat fehlen 464 Millionen Euro

In der direkt daneben stehenden Grafik ist eine einfache Einnahme-Ausgaben-Rechnung abgedruckt. Demnach stehen städtischen Einnahmen in Höhe 3,084 Mrd. Euro Ausgaben in Höhe von 3,186 Mrd. Euro gegenüber. Das macht summa summarum ein Minus von 102 Mio. Euro. Das ist eine erhebliche Menge Geld, die da dem Stadtsäckel fehlt. Aber es sind bei weitem nicht die 464 Mio. Euro, die der Stadtanzeiger behauptet. Sollte es sein, dass sich da irgend jemand verrechnet hat?

Praktische Erdkunde im Kölner Stadtanzeiger


08 Jun

Zeitungen wollen Orientierung bieten. Wo aber befinde ich mich, wenn ich das hier lese:

Der von Frankreich gebaute erste Europäische Druckwasserreaktor weltweit in Finnland verzögert sich erneut um ein halbes Jahr.

Oder ist es der erste finnische Reaktor weltweit in Europa? Oder ist es es der erste weltweite Reaktor aus Finnland in Frankreich? Oder ist ein französischer Finne der erste weltweite Europäer, der als Reaktor dient? Man kann bei diesen Zeitungen schon ganz schön durcheinander kommen.

Lena Meyer-Landrut: Erste Todesopfer


31 Mai

Statistik1 Der Grandpix-Sieg der 19-jährigen Abiturientin Lena Meyer-Landrut hat erste Todesopfer gefordert. So etwa vermeldet der Kölner Stadtanzeiger:

14,69 Millionen Fernsehzuschauer in Deutschland schauten sich am Samstagabend den Sieg der 19-Jährigen beim Eurovision Song Contest in Oslo live im Fernsehen an, wie die ARD am Sonntag mitteilte. Dies entsprach einem Marktanteil von 49,1 Prozent

14 Millionen Zuschauer sind also praktisch die Hälfte der deutschen Bevölkerung. Das bedeutet nach Adam Riese, dass in Deutschland summa summarum knappe 30 Mio. Menschen leben. Kolportiert wurden uns aber doch stets über 80 Mio. Einwohner? Wo sind die anderen 50 Millionen hin? Herzinfarkt vor dem Fernsehgerät? Totgesungen? Ins Grab gegrölt? Oder von den Medienredakteuren des Kölner Stadtanzeigers hingemeuchelt?

Oder soll den Medienzahlen des Stadtanzeigers eine andere Berechnungsgrundlage zugrunde liegen? Welche könnte das sein? Die Zahl der Haushalte in Deutschland kann es nicht sein, denn die beträgt 39,6 Millionen —  also weit mehr als die knapp 30 Millionen, die von der Quotenstatistik genannt werden. Die Zahl der Fernsehgeräte kann es auch nicht sein, die liegt laut statistischem Bundesamt bei rund 55 Millionen Geräten. Wahrscheinlich ist es vielmehr so, wie auch der EPD Mediendienst heute in einer Glosse mutmaßt, dass bei Fernsehquoten den Medienjournalisten alle mathematischen Sicherungen durchbrennen und sie zu „Quotenidioten“ werden:

Immer mehr gleichen sich die täglichen Quotenmeldungen der Sportberichterstattung an. Dass gleich mehrere Filme an einem Tag „Tagessieger“ werden oder gar „Gold“ holen können, liegt daran, dass es auch bei den Marktanteilen unterschiedliche Disziplinen gibt: Die Aufführung der „Fantastic Four – Rise of the Silver Surfer“ hatte am Sonntagabend die meisten Zuschauer in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen. Der „Tatort“ wiederum war beim Gesamtpublikum ab drei Jahren am erfolgreichsten.

Die Quotenberichte sind die Meldungen von der täglichen Medienfront. Sie künden davon, wer am Vorabend die Schlacht um das Publikum gewonnen hat. Und die Quotenberichterstatter in den Onlinemedien überbieten sich in der Blumigkeit der Metaphern, wenn es gilt, einen Erfolg oder Misserfolg zu beschreiben. So sind erfolgreiche Sendungen mindestens „ein großer Hit“, oder sie „räumen so richtig ab“. War die Quote dagegen schlecht, war der Film ein „Reinfall“.

Zahlen suggerieren Objektivität. Auch deswegen sürzen sich Journalisten so gern auf sie. Doch ihre Einschätzung ist wie immer eine Frage der Perspektive: Ein Marktanteil von zehn Prozent kann für den einen Quotenmelder enttäuschend sein, während der andere von „sagenhaften 9,8 Prozent“ schreibt.

Auch andere Sicherungen sind nach dem Schlager-Sieg nicht mehr sicher, zum Beispiel sprachliche. Jedenfalls beim Kölner Stadtanzeiger, der schreibt:

EWelcher Ort ist der geeignetste für die größte TV-Unterhaltungsshow der Welt?

Und welcher Ort ist der am meisten geeignetste für katastrophale Sprachpannen? Da ist sicherlich der Kölner Stadtanzeiger am meisten geeignetst.

Lena beschert der ARD eine Rekord-Quote – Kölner Stadt-Anzeiger

Kalter Kaffee beim Kölner Stadt-Anzeiger


25 Mai

Espressomaschine Dass von Journalisten man nichts geschenkt bekommt, außer man vergilt es ihnen durch eine Gegenleistung, ist eine so altbekannte Regel, dass es nicht anders sein kann, als dass sie auch für den Kölner Stadtanzeiger gelte. Der nämlich lässt durch seine Reporterin Susanne Hengesbach Kaffee an unschuldige Passanten verteilen, nur um an eine Story zu kommen:

Wie reagieren Menschen – was erzählen sie, wenn man sie auf der Straße anspricht und zum Kaffee einlädt?

Ja, was erzählen sie denn? Und vor allem: Was trinken sie denn? Die Einladung zu einem Kaffee, gerade in deutschen Großstädten, birgt so viele Fallstricke gerade auch sprachlicher Art, dass es an ein Wunder grenzte, wenn nicht ausgerechnet der Kölner Stadtanzeiger auch hinein tappen würde. Und siehe da:

Nachdem er seine Latte Macchiato bestellt hat, erzählt er mir, dass er momentan mit der Planung eines Studios beschäftigt ist.

Darauf sollte man doch als Reporterin gefasst sein: Die Leute lassen sich eben nicht mehr Filterkaffee in Kännchen servieren, sondern diesen ganzen neumodischen Kram — con letsche, Café Olé oder eben auch die berüchtigte Latte. So viel Recherche sollte darum einer Reporterin zuzutrauen sein, dass es korrekterweise „der Latte“ zu heißen habe. Denn dass im Italienischen die Milch („latte“) männlich konju- oder dekliniert wird, wäre, wenn es noch eines Beweises bedürfte, auch aus dem Adjektiv „macchiato“ mit seinem End-„o“ zu schließen, müsste eine weibliche Latte doch“macchiata“ sein, was auch Stadtanzeiger-Redakteurinnen mit rudimentären Latein-Kenntnissen sich zusammenreimen könnten, sofern das Erlernen kultivierter Sprachen noch zum Portfolio von Stadtanzeiger-Redakteuren gehörte. Sollte es sich, wie man allfällig mutmaßen könnte, um eine der berühmten Freud’schen Fehlleistungen handeln, die Leute bei der italienischen Kaffee-Spezialität an nichts als eine gute deutsche „Latte“ denken lässt, ist der Lapsus nicht kleiner, denn gerade diese, die Latte, sollte doch eigentlich männlichen Geschlechts sein, was ganz nebenbei die feministische Linguistik in große Schwulitäten bringt. Aber lassen wir fürderhin diese Quisquilien und beschäftigen wir uns weiter mit dem genannten Artikel im Kölner Stadtanzeiger. Was darin steht, hat ein eifriger Kommentator im Internet-Angebot des Kölner Stadtanzeigers sehr schön auf den Punkt gebracht und bedarf keiner Ergänzung:

24.05.2010 | 22.10 Uhr | RainerHohn
Das liest sich so flüssig und spannend wie der Aufsatz einer Fünftklässlerin zum Thema: „Was ich in den Sommerferien erlebt habe“.

Großvater Schulz lebt jetzt zufrieden – Kölner Stadt-Anzeiger

Ein Bischof tritt zurück: Auch der Kölner Stadt-Anzeiger merkt’s


22 Apr

Auch der Kölner Stadtanzeiger hat mitbekommen, dass der Augsburger Skandalbischof Mixa seinen Rücktritt eingereicht hat. Die Meldung ist ihm sogar den Aufmacher auf Seite 1 der heutigen Ausgabe wert:

Bischof Mixa bietet Rücktritt an

Am Ende des Aufmacherartikels wird sogar auf einen weiterführenden Artikel auf Seite 3 als „Thema des Tages“ hingewiesen. Allerdings: Dort auf Seite 3 geht es gar nicht um den Rücktritt. Offenbar war der Tagesthemen-Artikel geschrieben worden, bevor der Rücktritt bekannt wurde. Stattdessen geht es darum, dass alle möglichen berufenen und unberufenen Leute Herrn Mixa auffordern, sein Amt zeitweise ruhen zu lassen oder ein „Bußschweigen“ einzulegen. n einem Einspalter wird sogar noch raisonniert, ob der Papst den Bischof entlassen müsse. All dies ist durch die neue Nachrichtenlage widerlegt. Ehrlich wäre gewesen, wenn der Stadtanzeiger auf Seite 1 geschrieben hätte: Die veralteten Artikel auf Seite 3 müssen Sie nicht mehr lesen. Sie können sie, wie den ehemaligen Bischof, ad acta legen.

Erleichterung über Mixas Rücktritt – Kölner Stadt-Anzeiger

Das Kreuz mit der Kirche


20 Apr

Wenn man doch zwischen den zeilen schreiben könnte! Neulich im Kölner Stadtanzeiger:

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat zur Solidarität mit Papst Benedikt XVI. aufgerufen. Das anfängliche „Hosianna“ sei inzwischen einem weitgehenden „Kreuziget ihn!“ gewichen, …

Was denn sonst? Aber da wollte er doch immer hin!

… kritisierte er am Sonntag in seiner Predigt anlässlich der Papstwahl, die sich zum fünften Mal jährt. „Wir haben einen Papst unter dem Kreuz“, betonte der Erzbischof im Kölner Dom.

Das ist doch der richtige Aufenthaltsort, oder?

 Kirchenhasser.de

Anti-Medien-Blog

Die journalistische Notfallpraxis im Web von Hektor Haarkötter