Archive for Mai, 2011

Guck mal, wer da fotografiert


17 Mai

Die Filmfestspiele in Cannes sind für alle Kamerakünstler ein Hochfest im Kulturjahr. Die Boulevardpresse dagegen stürzt sich eher auf die unvermeidlich so genannten „Stars und Sternchen“, die an der Cote d’Azur auflaufen. Wenn beide aufeinanderstoßen, Kameraleute und Filmstars, kann es schon mal kurzzeitig zu Verwirrungen kommen, wie dieses Bild zeigt, dass heute in der Münchner „tz“ zu sehen war:

Wer fotografiert hier eigentlich, wenn alle Kameramänner und Fotografen hinter dem Objekt der Begierde stehen?

„ZDFkultur“ für Leute ohne Kultur


17 Mai

Ein Bouquet ist etwas, das in die Nase geht. Beim Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) hat man eher den Eindruck, dass es die Nase voll hat. Voll von seinen Satelliten-Spartenkanälen. In schneller Folge widmet das ZDF sein bestehendes Bouquet um und gründet neue Spartensender, die die hergebrachten ersetzen. Aus dem ZDF-Dokukanal war schon vor einer kleinen Weile ZDFneo geworden. Und jetzt wird aus dem ZDF-Theaterkanal das Programm ZDFkultur. Wobei, so genau möchte man es mit der Kultur nicht nehmen, wie der Verantwortliche Daniel Fiedler zu berichten weiß:

Kultur im Fernsehen klingt immer so, als ob ich ganz gebildet sein muss, um das nutzen zu dürfen. Da sagen wir: Das ist Quatsch. Es gibt heute keine Trennung mehr zwischen der so genannten populären Kultur und der Hochkultur. Menschen gehen heute in die Oper und danach in einen Club, das ist völlig selbstverständlich. Wir setzen nebeneinander eine Wagner-Theateraufführung und jede Menge Popmusik. Wiederum daneben gibt es jede Menge Videospiele und Gaming. So breit ist unser Kulturbegriff, so breit stellen wir den auf. In der Nutzung der Zuschauer im Leben ist der eben so breit. Warum soll er nicht auch im Fernsehen so breit sein?

Das ZDF sieht keine Abgrenzungsprobleme zu ZDFneo oder zu 3sat, dem Kulturprogramm, zu dem das ZDF auch immer noch den Bärenanteil beiträgt. Andere sehen, wie die „B.Z.“, deutlich größere:

Am Sonnabend geht der nächste Kanal aus Mainz an den Start. Dabei wird der Digitalsender ZDFkultur nur eine zweite Version des 2009 gestarteten ZDFneo sein.

Man fragt sich auch, wozu die Spartenkanäle eigentlich dienen. Immerhin kosten sie, worauf auch die „B.Z.“ hinweist, richtig Geld:

In diesem Jahr lässt sich das ZDF den neuen Sender 12 Millionen Euro, im kommenden 18 Millionen Euro kosten. Und löst dafür den ZDFtheaterkanal auf, der im Jahr 2009 lediglich 7,3 Millionen Euro kostete und ein Schattendasein fristete. Doch statt das Geld einfach zugunsten des Gebührenzahlers einzusparen, leisten sich die Mainzer einen ZDFneo-Klon.

Das ZDF, das im Rufe eines „Rentnersenders“ steht, will sein Programm verjüngen. Ob das mit einer Abschiebung jugend- und jüngerenrelevanter Themen und Inhalte ins Quotennirwana von Satellitenablegern gelingen wird, scheint fraglich. Zumal, wenn man mit zwei verschiedenen Kanälen und sehr ähnlichen Inhalten ein sehr ähnliches Publikum ansprechen will und sich dadurch gegenseitig kannibalisiert:

Beide Sender sollen sich an ein jüngeres, nahezu identisches Publikum richten. ZDFkultur soll 20- bis 40-jährige Zuschauer begeistern, ZDFneo 25- bis 49-Jährige.

Und dann gibt es ja auch noch den „ZDFinfokanal“. Was wird eigentlich aus dem? Die Zielgruppe der 15- bis 35-jährigen wäre noch frei.

Welt: tot, tödlicher, am tödlichsten


16 Mai

Das Übertriebendste an Tageszeitungen ist, dass sie selbst das übertreiben, was nicht weiter zu übertreiben ist. Zum Beispiel die Tageszeitung „Die Welt“. Sie beschäftigt sich in ihrer heutigen Ausgabe mit der unausrottbaren Krankheit Pocken und schreibt:

Die Pocken sind eine der tödlichsten Infektions-Krankheiten der Welt. Die Erreger werden an zwei Orten auf der Welt künstlich am Leben erhalten – in den USA und Russland.

Tödlich, tödlicher, am tödlichsten? Nein, so kann selbst die „Welt“, für einige die weltigste Zeitung auf unserer globalisiertesten Erde, nicht komparieren. Entweder tödlich oder nicht. Genau wie schwanger, blau, studiert, fertig und viele andere Adjektive lässt sich gerade auch „tödlich“ nicht steigern. Alles andere wäre, genau: tödlich.

BILD-Leserbeirat: Keine Meinung ist ja auch keine


13 Mai

Was bei anderen Zeitungen innovativ oder fortschrittlich ist, das ist bei der Bildzeitung aus dem Springerverlag bestenfalls gerissen oder clever. So auch der sog. Bild-Leserbeirat. Unter dem Motto “Wir sagen Bild die Meinung!” hat die Zeitung

aus mehr als 3000 Bewerbern jetzt 32 neue Mitglieder ausgewählt, die mithelfen wollen, damit BILD noch besser wird.

Aus Sicht von Bild-Chefredakteur Kai Diekmann ist allein das schon ein eigenartiges Diktum, geht jener doch davon aus, dass Bild ohnehin kaum noch zu verbessern ist. Und so hat man denn für den hauseigenen Leserbeirat auch solche Leute zum Meinung-Geigen aquiriert, die garantiert keine haben. Oder wenn, dann die richtige. Zum Beispiel Sandra Raeven-Staud (38), Hausfrau aus Emmerich:

Sandra Raeven-Staud (38), Hausfrau aus Emmerich (NRW):
„Das Seite-1-Girl wird jetzt viel anspruchsvoller fotografiert, das hatten wir uns gewünscht. Der Ratgeber zu einem vermeintlich schwierigen Thema wie ,Männergesundheit‘ war sehr informativ. Mehr davon!“

Das ist vermutlich der neue Bild-Feminismus, für den auch Alice Schwarzer sich auf Werbeplakate und ins Blatt rücken lässt. Steifvorlagen für Männer dürfen schon sein, sie müssen aber “anspruchsvoller fotografiert” werden. Dann wird auch aus einem Gossenblatt eine “anspruchsvolle” Zeitung, findet auch

Regina Klau (66), Rentnerin aus Bremen:
„Ich lese BILD viel intensiver als früher und bin begeistert. BILD hat sich sehr zum Positiven verändert. Mich begeistern vor allem die vielen Kulturstücke. Bei meinen Freunden werbe ich oft für die neue BILD.“

Früher las man die Bildzeitung noch wegen des “guten Sportteils”, heute wegen der “vielen Kulturstücke”. Wenn das nicht mal ein Kunststück ist …

BILD-Leserbeirat – Diese Frauen sagen BILD ihre Meinung – News Inland – Bild.de

Facebook: PR-Kampagne gegen Google


13 Mai

Was unter Krähen vormals noch galt, nämlich das die eine der anderen kein Auge auspicke, das gilt für die großen Vögel der Internetbranche offensichtlich nicht mehr. Die Social-Media-Firma Facebook soll eine der größten US-PR-Agenturen damit beauftragt haben, negative Artikel über den Internet-Konkurrenten Google in der Presse zu lancieren, wie auf Heise Online zu lesen ist:

Das Internetunternehmen Facebook bezahlte eine PR-Agentur dafür, bei Journalisten und Bloggern auf eine negative Berichterstattung über Google hinzuwirken. Burson Marsteller, eine der fünf größten PR-Agenturen in den USA, versuchte in den vergangenen Wochen Meldungen über vermeintliche Datenschutzprobleme bei Google in US-Medien zu platzieren. Konkret problematisiert wird das Google-Feature „Social Circle„, in dem öffentliche Informationen der eigenen direkten und indirekten Kontakte aggregiert dargestellt werden.

Hintergrund ist, dass Google für den genannten Dienst “Social Circle” die öffentlich einsehbaren Freundschaftsverbindungen der jeweiligen Facebookseiten der User ausliest und sich selbst zunutze macht. Für Facebook ist das eine Verletzung der Privatsphäre der Nutzer. Pikant: Facebook selbst steht immer wieder im Ruf, selbst gegen Privatsphärerichtlinien zu verstoßen.

heise online – Facebook führte PR-Kampagne gegen Google

Toter Bin Laden: USA wollen Witwen schütteln


12 Mai

Nach dem Tod kommen die Tränen – jetzt will die Supermacht mit der Lizenz zum Töten an die Frauen ran, wie die Süddeutsche Zeitung heute meldet:

Pakistan will den USA offenbar erlauben, die drei Witwen des getöteten Al-Qaida-Chefs Osama bin Laden zu verhören. Das berichten die amerikanischen TV-Sender CBS und CNN unter Berufung auf US-Beamte. Terrorfahnder dürften die Frauen persönlich vernehmen, hieß es. "Die USA erwarten, dass bald eine Erlaubnis erteilt wird", sagte ein US-Vertreter der Nachrichtenagentur AFP.

Natürlich, mit ein bisschen Waterboarding, vorgetäuschten Vergewaltigungen, zähnefletschenden Hunden, nacktem Strammstehen und Schlafentzug wird aus den Damen schon noch das ein oder andere herauszuholen sein. Hier kann sich ja der Große Bruder von seinem kleinen Gespielen, der Bildzeitung, methodisch noch ein paar Anregungen einholen, denn in der Kunst des “Witwenschüttelns” hat der es bekanntlich weit gebracht.

Streit mit Pakistan – USA dürfen Bin Ladens Witwen verhören – Politik – sueddeutsche.de

Wie ein öff.-rechtlicher Sender sein Publikum melkt: SWR sucht “Augenzeugen”


11 Mai

In Zeiten von “Staumeldern” und “Hörerradar” darf man sich natürlich nicht wundern, wenn ein öffentlich-rechtlicher Sender wie der SWR im Zuge vorauseilenden Spargehorsams auch seine journalistischen Inhalte sich nicht mehr getraut selbst herzustellen, sondern auch dafür den Hörer und Zuschauer herhalten lassen möchte. Der SWR sucht also “Augenzeugen” oder, in der allüberall waltenden Sprache der Neuen Medien, “user generated content”:

Sie leben in Baden-Württemberg oder Rheinland-Pfalz und sind Augenzeuge eines aktuellen und interessanten Ereignisses? Schicken Sie uns Ihre Informationen, Bilder und Videos!

Während die Bildzeitung ihren “Leserreporter” genannten Melkkühen journalistischer Einfalt immerhin noch einen Obolus von 250 Euro zugesteht und selbst die Fernsehzeitschrift Gong für einen eingesandten Witz einst noch 50 D-Mark locker gemacht hat, will der öffentlich-rechtliche SWR seinen “Augenzeugen” keinerlei Zeugengeld zukommen lassen. Dafür will der SWR sich aber etwas nehmen, nämlich alle Rechte an den vom Publikum kostenlos zur Verfügung gestellten Inhalt. Und das in Form von Geschäftsbedingungen, denen selbst bei geldwerter Informationsüberlassung eine gewisse Dreistigkeit nicht abgesprochen werden kann:

Ich räume dem SWR die räumlich, zeitlich und inhaltlich unbeschränkten und übertragbaren Nutzungsrechte einschließlich dem Recht zur Bearbeitung an den eingesandten Bildern für folgende Zwecke ein: Präsentation in den Angeboten des SWR (Rundfunk, Telemedien und Print), auch downloadfähig, unabhängig davon in welchen Medien.

Und damit nicht genug, räumt der SWR sich auch noch selbst das Recht ein, mit dem billigst erworbenen “content” seinerseits durchaus zu schachern und ihn gegebenenfalls “an Dritte” weiterzuverhökern:

Die von den Einsendern eingereichten Daten werden vom SWR gespeichert und können im Zusammenhang mit der Berichterstattung auch an Dritte weiter gegeben werden. Ich erkläre mich ausdrücklich hiermit einverstanden.

Ach so, und haften möchte der öffentlich-rechtliche Sender für seine Zuhörer und Zuschauer natürlich auch nicht. Das sollen die guten Kostenlos-Journalisten mal schön selbst:

Sollten Dritte in Zusammenhang mit der Verwendung des Materials durch den SWR oder von ihm beauftragter Personen dennoch Ansprüche wegen Verletzung ihrer Rechte geltend machen, so stelle ich den SWR und die von ihm beauftragten Personen von allen Ansprüchen frei.

Der freie Journalist Carl-Josef Kutzbach, dem die Augenwischerei des SWR mit seinen “Augenzeugen” zuerst ins Auge gesprungen ist, kommentiert:

Es ist schon reichlich dreist, wenn man kostenlos Material bekommen möchte und dann noch den Spenderen, die dafür nichts bekommen „Geschäftsbedingungen“ vorschreibt, als ob es sich dabei um ein Geschäft handele, bei dem für eine Ware oder Dienstleistung ein Gegenwert zurück gegeben wird.

Wer sich in Gefahr begibt, so heißt es, wird darin umkommen. Wer sich in einen öffentlich-rechtlichen Sender begibt, der wird darin vorkommen. Und das könnte übel enden, z.B. mit einem blauen Auge.

Augenzeugen gesucht!: SWR-Augenzeugen: Ihre Nachrichten für uns – Nachrichten | SWR.de

Spiegel: Henri-Nannen-Preis aberkannt


10 Mai

Egon Erwin Kisch 1934 (Quelle: Wikimedia)Je preiser gekrönt, desto durcher gefallen: Dieses unter Journalisten verbreitete Motto kann nun auch der Spiegel-Redakteur René Pfister nachempfinden. Ihm ist der renommierte Egon-Erwin-Kisch-Preis für die beste Reportage kurz nach der Preisverleihung wieder aberkannt worden. Die Süddeutsche weiß zu berichten:

Der Journalist beschreibt darin auf drei Absätzen zum Einstieg, wie der CSU-Vorsitzende im Keller seines Ferienhauses in Oberbayern sein Leben und die Figuren seines Lebens auf einer Spielzeugeisenbahn nachstellt. So dreht zum Beispiel die Bundeskanzlerin in Seehofers Märklin-Welt auf einer Diesellok ihre Runde.

Noch während der Preisverleihung erzählte Pfister, die authentisch wirkende Szene nicht selbst erlebt zu haben. Sie war ihm von Seehofer und Mitarbeitern Seehofers geschildert worden.

Die Jury setzte sich mit einem Panik-P in den Augen (letzteres beruht nicht auf eigener Anschauung) wieder zusammen und befand, der Preis für die beste Reportage könne nicht an einen gehen, der die Regeln der Kunst der Reportage nicht mit der Muttermilch aufgesogen, sondern wie ein Ammenmärchen fortgesponnen habe:

Die Jury hat deswegen am 8. Mai die Reportage Pfisters und die Preisvergabe noch einmal intensiv diskutiert und am Ende mehrheitlich entschieden, ihr Urteil zu revidieren. René Pfister wird der Preis aberkannt. (…) Wenn aber eine Reportage als die beste des Jahres ausgezeichnet und damit als vorbildlich hervorgehoben werden soll, muss sie besondere Anforderungen erfüllen. Pfisters Text erfüllt diese Anforderung nach Ansicht der Jury-Mehrheit nicht.

Der Spiegel, jener Flackfisch des Qualitätsjournalismus, erklärt in einer im Internet publizierten Hausmitteilung (“In eigener Sache”) sein “Unverständnis” über die Entscheidung der Jury und lässt seinerseits hindurchschimmern, wie ansonsten die Usancen im sog. Qualitätsjournalismus sind:

In der Vergangenheit sind bereits öfter Geschichten mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis ausgezeichnet worden, die szenische Rekonstruktionen enthielten. Jede Reportage besteht nicht nur aus Erlebtem, sondern auch aus Erfragtem und Gelesenem.

Die Süddeutsche Zeitung hinwiederum fragt, warum überhaupt ein Text mit einem Reportagepreis ausgezeichnet werden sollte, der von vornherein gar keine Reportage war:

Die Frage bleibt, warum die Jury mehrheitlich Pfisters Stück, das ein im Wesen analytisches Politikerporträt ist, überhaupt für den Reportagepreis nominierte und dann auswählte.

Es ist das erste Mal in der Geschichte, dass einem der Kisch-Preis aberkannt wird. “Spiegel-Redakteur entgleist in Seehofers Hobbykeller”, titelt dazu das Hamburger Abendblatt. Ein preiswürdiger Titel.

Henri-Nannen-Preis: Ehrung aberkannt – Die Jury legt nach – Medien – sueddeutsche.de

Un-Soziale Netzwerke: Facebook schaltet Freunde ab


09 Mai

Von wegen, Facebook beitreten und mit Freunden in Kontakt bleiben:

Heimlich, still und leise haben die Betreiber von Facebook die Einstellungen der Nutzerkonten geändert. Jeder Facebook-Nutzer bekommt nun nur noch Meldungen ganz bestimmter Freunde zu sehen.

So meldet es die Stiftung Warentest. Der Socialweb-Betreiber Facebook habe nämlich von sich aus unbemerkt die Optionen seiner Nutzer geändert, so dass nur noch die Meldungen solcher “Freunde” auf der eigenen Facebook-Hauptseite (der “Pinnwand”) erscheinen, mit denen der Nutzer in der vergangenen Zeit häufiger kommuniziert habe oder hinter dessen Beiträgen er jüngst “gefällt mir” angeklickt habe. Die Stiftung gibt hier eine Online-Beschreibung, wie man diese Option wieder rückgängig machen kann. Das Problem: Auch die “Freunde” müssen das tun, sonst sind nämlich auch die eigenen Meldungen bei den anderen unter Umständen nicht mehr zu lesen.

Wer ganz sicher gehen will, schreibt Stiftung Warentest, der mache aus seinen Meldungen eine “Einladung”. Das geht unter der Rubrik “Veranstaltungen” und garantiert, dass jeder “Facebook-Freund” auch erreicht wird. Was die Fa. Facebook sich mit dieser Änderung gedacht hat, warum sie heimlich erfolgen musste und was das über den ohnehin heiklen Begriff der “Freundschaft” bei Facebook aussagt, darüber gab der Socialweb-Dienst keine Auskunft.

Soziale Netzwerke – Facebook schaltet unbemerkt Freunde ab – Meldung – Stiftung Warentest

Internationaler Tag der Pressefreiheit


03 Mai

Pressefreiheit, das scheint in vielen Ländern der Erde vor allem zu meinen, dass Potentaten sich von ihrer Presse frei machen wollen. Dagegen weisen Journalistenorganisationen wie Reporter ohne Grenzen am heutigen „internationalen Tag der Pressefreiheit“ darauf hin, dass das Recht auf freie Berichterstattung und Information weltweit bedroht ist. 2010 wurden laut einem Beitrag in der heutigen Süddeutschen Zeitung

 weltweit 57 Journalisten getötet, 535 festgenommen, 51 entführt und 1374 angegriffen oder bedroht. Auch 152 blogger wurden festgenommen, 52 angegriffen oder bedroht.

Nicht nur in Ländern wie Eritrea oder Pakistan lebt es sich als Journalist schlecht. Auch Europa schneidet nicht nur gut ab im Ranking der Reporter ohne Grenzen:

Auch bei den EU-Gründungsstaaten Frankreich (2009: Platz 43, 2010: Platz 44) und Italien (2009 und 2010: Platz 49) gibt es keine Indizien für eine Verbesserung der Situation: Grundlegende Probleme wie die Verletzung des Quellenschutzes, die zunehmende Konzentration von Medieneigentum sowie gerichtliche Vorladungen von Journalisten dauern an.

Auch die Bundesrepublik Deutschland belegt auf dem Pressefreiheitsindex keinen der vorderen Plätze:

Deutschland steht in diesem Jahr – fast unverändert – auf Platz 17 (2009: Platz 18): Wie auch in anderen EU-Staaten wurden Redaktionszusammenlegungen und Stellenstreichungen negativ bewertet. Der Zugang zu Behördeninformationen bleibt ebenfalls unzureichend. Zu weiteren Kritikpunkten gehörten unter anderem das Strafverfahren gegen zwei Leipziger Journalisten in der so genannten Sachsensumpf-Affäre.

Nicht ganz verstanden hat der Deutsche Journalistenverband, um was es beim „Tag der Pressefreiheit“ geht: Kämpfen andere KollegInnen weltweit um ihr Leben und körperliche Unversehrtheit, die allein aufgrund ihrer journalistischen Tätigkeit bedroht sind, geht der DJV heute gegen „Billigtarife“ und für höhere Löhne auf die Straße (siehe Bild). So berechtigt auch solche Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen und höheren Löhnen und Honoraren hierzulande sein mögen: In Anbetracht der Bedrohungen und Pressionen andernorts wirkt eine solche Demonstration am „Tag der Pressefreiheit“ doch deplaziert.

Anti-Medien-Blog

Die journalistische Notfallpraxis im Web von Hektor Haarkötter