Archive for the ‘Computer’ Category

Die Anti-Powerpoint-Partei


06 Jul

Logo der APPP

Wenn es Krankheiten gibt, die kein Arzt heilen kann, dann gehört Microsofts PowerPoint mit Sicherheit dazu. Widerstand regt sich mittlerweile nicht nur publizistisch und sogar militärisch, nein, jetzt geht es dieser Pestbeule der Präsentationskunst auch politisch an den Kragen: Die Anti-Powerpoint-Partei hat sich konstituiert. Und wer hat’s erfunden? Ein Schweizer … :

Die APPP sieht sich als Anwalt der schätzungsweise monatlich 250 Mio Bürger weltweit (Schweiz ca 500’000), die bei langweiligen Präsentationen in Unternehmen, in Universität, in Ausbildung zwangsweise anwesend sein müssen und die bisher keine politische Vertretung in der Politik gefunden haben.

Auch Christian Wolf vom Basic thinking Blog sieht die Notwendigkeit politischer Intervention und begrüßt die Gründung der Partei:

Was es da alles zu sehen gab, braucht sich in der Retrospektive nicht hinter Geschmacksentgleisungen wie Schulterpolstern, den (leider!) in der Renaissance befindlichen VoKuHiLa-Frisuren und dem ersten Ford Ka zu verstecken. Bei mindestens einem Vortrag im Semester hieß fortan die Devise: Wenn PowerPoint es kann, dann muss es auch verwendet werden. Gnade gab es selten. Alle sollten schließlich sehen, dass man das letzte aus dem Microsoft-Tool herausgeholt hat. Ob Hintergründe und Texte in knalligen Farben, die unzähligen Wie-kann-ich-den-Inhalt-am-ungewöhnlichsten-auf-die-aktuelle-Folie-fliegen-lassen-Effekte (gern auch mit Ton) oder blinkende und zur Sicherheit noch fett, kursiv sowie mit doppeltem Unterstrich auch für den Brennglasträger in der letzten Reihe ausreichend hervorgehobene Überschriften – neben der gebotenen Vielfalt konnten die eigentlichen Inhalte fast schon vernachlässigt werden und wurden es dann mitunter auch.

 Die APPP kann auch den Schaden beziffern, der durch den Einsatz der Präsentationssoftware aus der Microsoft-Office-Suite entsteht:

Durch den Einsatz von PowerPoint* bei Präsentationen, bei der statistisch gesehen eine grosse Mehrheit im Anschluss die verbrachte Anwesenheitszeit als sinnlos erachtet, wird der Schweizer Volkswirtschaft ein geschätzter jährlicher Schaden von 2,1 Milliarden Franken zugeführt.

Die Schweizer Partei hat auch die Lösung für das drängendste Problem des digitalen Zeitalters: Die Reokkupation der Vorträgssäle durch den Flipchart:

PowerPoint* wird fast niemals einen echten Menschen schlagen, der am Flipchart etwas kreiert. Denn die Wirkung der Darstellung wird nicht durch das Ergebnis erzeugt, sondern durch den AKT DES ERSCHAFFENS des Ergebnisses. Darin liegt die Wirkung und nicht im Ergebnis selber. Deshalb funktioniert PowerPoint* vom Prinzip nicht. Es ist eben nicht wahr, dass man PowerPoint* nur “richtig” einsetzen müsste, (Mit Anweisungen wie “Weniger Text”, “nicht überladen”, “nur 5 Zeilen maximal” u.s.w.) sondern in der Gegenüberstellung mit dem Flipchart erweist es sich in 95 von 100 Fällen, dass der Flipchart um Längen mehr Wirkung erzeugt, wie die Präsentation mit PPt. Das ist keine Behauptung, sondern das kann man beweisen!

Der Partei ist eine grenzüberschreitende Kampagne sowie europaweiter Erfolg zu wünschen. Powerpoint-Gegner aller Länder, vereinigt Euch!

Krank durch Spielekonsolen!


17 Jun

Dass oder ob Computerspiele und Spielekonsolen unerfreuliche gesellschaftliche Auswirkungen haben können, ist ein in der Medienwirkungsforschung heftig umstrittenes Thema. Unstrittig aber ist, dass der häufige Gebrauch von Spielekonsolen krank macht. Die entsprechenden Krankheitsbilder sind sogar in die medizinische Fachliteratur eingegangen. Bereits 1981 beschrieb ein junger englischer Mediziner namens Timothy McCowan im “New England Journal of Medicine” ein Krankheitsbild, das sich in einer “schmerzhaften Steifheit des Handgelenks” äußerte. Die Schmerzursache war rasch gefunden:

McCowan hatte einige Abende in einer Spielhalle verbracht, der Schmerz rührte vom schnellen Strecken und Beugen seines Handgelenks und Unterarms beim Spielen von “Space Invaders”. Die Bezeichnung für die Erkrankung lag also nahe: “Space-Invaders”-Handgelenk.

Zu McCowans Zeiten standen Konsolen noch in Spielhallen, der Eintritt war reglementiert und jedes einzelne Spiel kostete Geld. Das waren, was Krankheitsprävention im digitalen Zeitalter angeht, sicherlich brauchbare Maßnahmen. Epidemisch wurden darum Krankheitssymptome durch Computerspiele auch erst, als der japanische Spielehersteller Nintendo mit dem Gameboy die erste Spielekonsole für den Hausgebrauch auf den Markt brachte.

Auf das Konto von Nintendo geht gleich eine ganze Reihe von Konsolen-Krankheiten. Ebenfalls im “New England Journal of Medicine” beschreibt der Rheumatologe Richard Brasington im Mai 1990 den Nintendo-Daumen, der kurze Zeit später unter dem Begriff Nintendinitis durch die Presse geht. Zunächst beobachtet Brasington das Symptom bei seiner Schwägerin, die mit starken Schmerzen in ihrem Daumen zu ihm kommt, nachdem sie fünf Stunden am Stück mit dem Super Nintendo ihres Sohnes gespielt hatte. Als der Rheumathologe die Krankheit an einem zweiten, ebenfalls erwachsenen, Bekannten beobachtet, schlägt er vor: “Man sollte die Sportverletzung Nintendinitis nennen.”

Das Thema bekam nicht nur in der medizinischen Fachliteratur, sondern weltweit mediale Aufmerksamkeit. Der Spiegel schreibt 1990 zur Markteinführung des Gameboy:

Die Folgen sind absehbar, US-Ärzte haben sie schon bei computerbegeisterten Kindern gefunden: dicke Hornhaut am Daumen, verkrampfte Hand – Diagnose: Nintendinitis.

Der Gameboy inspirierte auch den kanadischen Radiologen David Miller dazu, 1990 im “Canadian Medical Association Journal” über den “Nintendo-Nacken” zu schreiben, den er an seinem eigenen Sohn beobachtet haben wollte. Schuld an den Nackenbeschwerden sei laut Miller die ungesunde Haltung beim Spielen gewesen: Kinn auf der Brust, Ellbogen gebeugt, den Monitor nah an sein Gesicht haltend. “Die Schmerzen müssen sehr heftig gewesen sein, weil er tatsächlich das Spiel aufgab und mit seiner Schwester Barbie spielte”, schreibt Miller laut Medien-Monitor.

Die Krankheitsbilder, die durch Spielekonsolen ausgelöst werden, können wie jede Krankheit sehr unterschiedliche Ausprägungen haben. So hat auch die Nintendinitis eine Steigerung erfahren: Die “eiternde Nintendinitis”. Die geht zurück  auf den australischen Kinderarzt Guan Koh aus Thuringowa. Zu dem war, laut Spiegel Online, im Sommer 2000 ein Mädchen mit merkwürdigen Verletzungen in den Handflächen gekommen: Eine 6 mm großes eiterndes Mal mit gerötetem Rand, deren Ursache schnell ermittelt war:

Ihre zwei Cousins sind die Sommerferien über zu Besuch, haben eine Nintendo-64-Konsole mitgebracht. Und sie spielen zu dritt “Mario Party” – zwei Stunden am Stück. Das Mädchen schlägt mit der Handfläche auf den Joystick. Die Folgen muss Kinderarzt Koh behandeln. Seine Behandlung: 14 Tage Spielverbot und zweimal täglich gewechselte Verbände mit antiseptischer Salbe.

Der Arzt Guan Koh beschreibt die Krankheit im “Medical Journal of Australia”, worauf die “eiternde Nintendinitis” in die medizinische Forschungsliteratur eingeht. Nicht nur der medizinische Fortschritt, sondern auch der sprachliche wurden durch digitale Spielekonsolen befördert. Zum Beispiel brachten sie uns das erste Wort der Sprachgeschichte ein, das sich mit drei aufeinanderfolgenden “i” schreibt: Die “akute Wiiitis”. Nachzulesen wiederum im “New England Journal of Medicine”. Dort beschreibt der spanische Arzt Julio Bonis eine Sehnenentzündung in der Schulter, die er sich just an dem Tag zugezogen hatte, an dem er sich eine Wii-Spielekonsole angeschafft hatte.

Die moderne Medizin will den Menschen ja nicht nur als physische Entität, sondern als ganzheitliches soziales Wesen begreifen. Umgekehrt können aber auch in der digitalen Welt Krankheiten durch des Menschen Hang zum Sozialen ausgelöst werden. Jedenfalls beschreibt der neapolitanische Arzt Gennaro D’Amato einen Fall im Fachblatt Lancet, in dem das Profilfoto einer Facebook-Nutzerin einem anderen User dieses sozialen Netzwerks buchstäblich den Atem raubte: Facebook-induziertes Asthma. Computer- und Facebookabstinenz sollen in dem Fall, wie die Süddeutsche Zeitung zu berichten weiß, Abhilfe geschaffen haben.

Laut dem kanadischen Medienphilosophen Marshall McLuhan sind Medien nichts anderes als Extensionen, also Ausdehnungen, unseres Körpers. Dass bestimmte Körperteile mit solchen Ausdehnungen aber nicht immer gut klar kommen, könnten die beschriebenen Spielekonsolensymptomatiken belegen. Aber technik-induzierte Krankheitssymptome sind nicht nur notwendige Begleiterscheinung der technischen Entwicklung. Sie könnten auch selbst eine Folge bestimmter medialer Praktiken sein, die nicht so sehr auf Seiten der Patienten, als vielmehr auf Seiten des medizinischen Personals vorherrschen. Gerade im medizinischen Schrifttum ist es nämlich, wie Konrad Lischka auf Spiegel Online schreibt, durchaus üblich, Krankheitsbeschreibungen zu veröffentlichen, die nur auf einer einzigen Fallgeschichte beruhen und nicht auf langwierigen klinischen Studien als empirischer Basis. Der Arzt und nicht der Kranke macht die Krankheit. In diesem Fall könnte man das auch übersetzen mit: The medium is the massage. Auch das ist, bekanntlich, eine Diagnose von McLuhan.

Wie Google News mal beinahe eine Airline zum Absturz brachte


27 Mai

Wenn heute Zeitungen über ihren eigenen Niedergang klagen, dann hat es vielleicht auch mit Google News zu tun. Der schnelle Zugriff auf die aktuelle Nachrichtenlage wird heute gerne über diesen Nachrichten-Suchdienst erledigt. Google stellt übrigens keine eigenen Texte ins Netz und hat auch keine journalistische Redaktion, sondern nur einen Algorithmus, der aus frei zugänglichen Internetseiten von Zeitungen und Nachrichtendiensten eine Auswahl errechnet und etwa alle 10 Minuten aktualisiert. Es existiert auch eine Archivsuche, mit der etwa in älteren Ausgaben von New York Times und Washington Post recherchiert werden kann. Doch genau deswegen kam es im Jahr 2008 zu einem folgenschweren Zwischenfall, der beinahe die amerikanische Fluggesellschaft United Airlines zum Absturz gebracht hätte, wie auf Wikipedia nachzulesen ist:

Am Sonntag dem 7. September 2008 indexierten die Computer von Google News einen Artikel aus dem Jahr 2002 von der Internetseite der Zeitung Sun-Sentinel, einer Schwesterseite der Chicago Tribune, die den Artikel eigentlich publizierte. Die Überschrift des Artikels lautete „United Airlines Files for Bankruptcy“. Die Seite beinhaltete keine Angabe zum Datum der Veröffentlichung. Nach Angaben der New York Times schickte am darauf folgenden Montagmorgen der Informationsdienstleistner Income Security Advisors, dem Nachrichtendienst Bloomberg verschiedene Artikel über Bankrott-Meldungen. Darunter wahrscheinlich auch der Artikel über die United Airlines aus dem Jahr 2002. Bloomberg übernahm die Meldung und veröffentlichte sie. Binnen weniger Minuten brach der Aktienkurs der Fluggesellschaft ein und verlor mehr als 1 Milliarde US-Dollar an Wert. Der Handel der Aktie wurde daraufhin vorübergehend ausgesetzt. Der Eintrag war nicht auf der Startseite von Google News verlinkt, konnte aber durch die Suchfunktion gefunden werden.

Google rechtfertigte sich laut einem Artikel der New York Times damit, dass sie ja nichts dafür könnten, wenn eine Zeitung einen Artikel mit keinem oder einem falschen Datum versehe. Ein Artikel der  Süddeutschen Zeitung sieht allerdings auch noch andere Kritikpunkte:

Dabei sehen Kritiker eine der Gefahren für den Journalismus bei Google. Der Konzern ziehe den Großteil der Werbegelder im Internet ab, produziere aber selbst keine Inhalte. Dessen ungeachtet setzen selbst Medienkritiker Hoffnungen auf Google: Seit die Unabhängigkeit der New York Times wieder und wieder durch Börsenspekulanten und Konkurrenten angegriffen wird, wird Google als möglicher Retter genannt: Wäre es nicht angebracht, dass die Stiftung von Google die Zeitung kauft und als gemeinnütziges Projekt weiter führt? Google ist angeblich nicht interessiert, Inhalte zu besitzen.

Aber es geht den Google-Kritikern nicht nur um Inhalte. Besäße der Internetsuchdienst eine echte Redaktion mit echten Journalisten, dann hätte der Fehler auffallen müssen: Ein schöner Beleg für die in der Journalismusforschung gerne angeführte “Gatekeeper”-Funktion von Journalisten. Es gibt auch noch eine, ebenfalls von der SZ angeführte, Pointe der ganzen Geschichte:

Die Ironie der Geschichte, die kein Mensch aktualisiert, redigiert und auf der Website veröffentlicht hat, ist laut Wall Street Journal die, dass anschließend die Aktie von United an der Börse teilweise auch ohne Zutun von Menschen verkauft wurde – Computerprogramme stoßen verlustreiche Aktien angeblich von alleine ab. Die Enthüllung und ihre Konsequenz – alles lief vollautomatisch.

Facebook: PR-Kampagne gegen Google


13 Mai

Was unter Krähen vormals noch galt, nämlich das die eine der anderen kein Auge auspicke, das gilt für die großen Vögel der Internetbranche offensichtlich nicht mehr. Die Social-Media-Firma Facebook soll eine der größten US-PR-Agenturen damit beauftragt haben, negative Artikel über den Internet-Konkurrenten Google in der Presse zu lancieren, wie auf Heise Online zu lesen ist:

Das Internetunternehmen Facebook bezahlte eine PR-Agentur dafür, bei Journalisten und Bloggern auf eine negative Berichterstattung über Google hinzuwirken. Burson Marsteller, eine der fünf größten PR-Agenturen in den USA, versuchte in den vergangenen Wochen Meldungen über vermeintliche Datenschutzprobleme bei Google in US-Medien zu platzieren. Konkret problematisiert wird das Google-Feature “Social Circle“, in dem öffentliche Informationen der eigenen direkten und indirekten Kontakte aggregiert dargestellt werden.

Hintergrund ist, dass Google für den genannten Dienst “Social Circle” die öffentlich einsehbaren Freundschaftsverbindungen der jeweiligen Facebookseiten der User ausliest und sich selbst zunutze macht. Für Facebook ist das eine Verletzung der Privatsphäre der Nutzer. Pikant: Facebook selbst steht immer wieder im Ruf, selbst gegen Privatsphärerichtlinien zu verstoßen.

heise online – Facebook führte PR-Kampagne gegen Google

Harvard-Forscherin legt “Email-Sabbatical” ein


30 Apr

Dana boydDie Harvard-Forscherin Danah Boyd, die zu allem Überfluss auch noch in Diensten der Fa. Microsoft steht, hat für einen Monat ein “Email-Sabbatical” eingelegt. Während dieser Zeit eingegangene Mails werden unwiderruflich gelöscht und von der Wissenschaftlerin weder gelesen noch beantwortet:

No email will be received by danah’s ornery INBOX between December 11 and January 19!

For those who are unaware of my approach to vacation… I believe that email eradicates any benefits gained from taking a vacation by collecting mold and spitting it back out at you the moment you return. As such, I’ve trained my beloved INBOX to reject all email during vacation.

Die Erklärung, die Frau Boyd nachschiebt, ist ziemlich eindeutig: Sie bekomme täglich 500 bis 700 Emails, und da sie einen 1-monatigen Urlaub plane, sei es schlicht unlauter, Leute glauben zu machen, sie sei auch nur annähernd in der Lage, nach ihrer Rückkehr die tausenden aufgestauten Mails zu lesen oder gar zu beantworten:

I normally check email all day long and when I’m in full swing, I receive 500-700 personally addressed emails per day in addition to mailing lists. There’s no way that this is manageable when I’m going away for a month. There’s no way that I could address this much email in the first month of arriving in Boston. Also, I learned ages ago that it’s better to declare email bankruptcy than to fool myself or others into believing that I can manage the unmanageable. I announce my email sabbatical a few weeks ahead of time so that folks know what’s coming.

Die Reaktionen, die Boyd auf ihre Ankündigung hin bekommen haben muss, sollen teilweise niederschmetternd gewesen sein (“a self-righteous bitch”). Sie sei schockiert, wie sehr manche Zeitgenossen offensichtlich schon abhängig von ihrer Email-Box seien. Für sie selbst sei die Email-Pause eine Art “Meditation”:

I’m also shocked by how many folks are completely addicted to their email. I have to admit that email sabbaticals are very much like a meditation retreat for me. It’s all about letting go. And gosh darn it, it feels mighty fine to do this.

http://www.zephoria.org/thoughts/archives/2008/12/11/email_sabbatica.html

Zukunft der Menschheit: Der Gebetomat


04 Apr

GebetomatDie Zukunft der Menschheit wird von Maschinen und Computern bestimmt. Auch ins Jenseits hinüber und ins Metaphysische müssen darum Verbindungen geschaffen werden, die sich heute technisch realisiert finden. Ein solches technisches Gerät zur Metaphysikvermittlung ist der “Gebetomat” des Berliner Konzeptkünstlers Oliver Sturm. Er selbst beschreibt auf seiner Website, wie er auf die Idee einer Gebetmaschine kam:

Die Idee zu einem Gebet-Automaten kam mir, als ich im Jahr 1999 in New York auf einem U-Bahnsteig in einer hygienisch zweifelhaften Ecke einen Automaten an der Wand sah, der mit einer künstlichen Stimme auf einlullend monotone Weise permanent sprach. Niemand kümmerte sich um den Automaten. Ich verstand nicht genau, was er sagte, weil die akustische Qualität sehr schlecht war, aber ich nehme an, Bedienungshinweise zur Benutzung. Auf dem Bahnsteig standen Menschen unterschiedlicher Hautfarbe und sozialer Herkunft, eben die spezifische New Yorker Mischung, und – gerade auf dem Weg zum jüdischen Viertel in Williamsburg – stellte ich mir vor, wie es wäre, wenn Gebete aus diesem Automaten kämen.

Das Bet-Gerät steht zur Zeit an drei Standorten in Stuttgart, Frankfurt und Berlin. Man stelle es sich wie einen Passbildautomaten vor. “Wenn Gott das noch erlebt hätte”, unkt Spiegel Online und unterstellt, dass das Gerät womöglich gar nicht der Erbauung der Gläubigen, sondern der Ironisierung von Glaubensrichtungen diene. Kein Betomat, sondern ein Skeptikomat mithin:

Im Gebetomat sind die Zweifel zwar nicht explizit formuliert, aber durch die profane und vollkommen wertneutrale Nebeneinanderstellung von Texten wie dem Vaterunser auf Plattdeutsch bis hin zu obskuren Glaubenstexten der Scientology-Organisation doch schon eingebaut.

Das Glaubensfragen Ewigkeitsfragen sind, zeigen auch Verlauf und Mediengeschichte der Veröffentlichungen über den Gebetomat. Denn ganz so neu ist das Gerät gar nicht, wie Spiegel Online etwa Glauben machen möchte. Der Wikipedia-Eintrag über den Gebetomat stammt ursprünglich vom Mai 2010. Der Artikel verweist als Quelle wiederum auf einen Artikel der Berliner Zeitung aus dem Jahr 2008. Auch ein Artikel aus dem deutschsprachigen Teil von Radio Vatikan zeigt überdeutlich, dass alles lange nicht so heiß gebetet wird, wie es gekocht wurde.

Gebetomat

Iphone Apps: Sexy nein, homophob ja


22 Mrz

Wer Apps für das Iphone entwickeln und vermarkten will, muss jede einzelne Anwendung von der Fa. Apple absegnen lassen, bevor sie in den Apple-eigenen Appstore eingestellt werden darf. Und diese Genehmigungspraxis von Apple stößt immer wieder auf Kritik. Vom jüngsten Beispiel berichtet der österreichische Standard:

Apples Prüfpolitik für den App Store bietet einmal mehr Anlass für Kritik. In dem Online-Shop für iPhone- und iPad-Programme ist seit kurzem eine Anwendung einer Organisation erhältlich, die Menschen von Homosexualität “befreien” will. Dass die App als geeignet für alle Altersgruppen eingestuft wurde und noch immer erhältlich ist, hat für einen Aufschrei in Medien und unter Nutzern gesorgt.

Und wer steckt hinter der homophoben Organisation? Eine selbsterklärt christliche Gruppe aus den USA:

Die kostenlose App bietet laut Beschreibung Zugriff auf News, Events und Informationen der US-amerikanischen Organisation “Exodus International”. Dort will man Menschen “helfen”, ihre Homosexualität mithilfe der “Kraft von Jesus Christus abzulegen”, heißt es auf der Website. Die Organisation ist bereits seit 1976 tätig.

Auf der Petitionsplattform change.org wurden mittlerweile 120.000 Unterschriften gegen die schwulenfeindliche App gesammelt. Sehr viel zimperlicher ist die Fa. Apple, wenn es um lustvoll zur Schau gestellte Sexualität geht. Wie der Focus schon im Frühjahr 2010 berichtete, hat Apple mehr als 5.000 Apps aus dem Appstore verbannt, die vermeintlich um Erotik oder Sex kreisten:

Nach Informationen des einflussreichen Technik-Blogs Techcrunch und anderer Blogs sperrte Apple in der vergangenen Woche im US-Store 5000 Apps mit nackten oder leicht bekleideten Frauen. Allein am Donnerstag seien 4000 Apps gelöscht worden, heißt es im auf Apple spezialisierten Internetportal MacRumours. (…)

Was erregte denn nun den Unmut der App-Wächter der Fa. Apple?

Bei den gelöschten Apps handelte es sich nicht um pornografische Anwendungen, sondern nach Angaben von „Techcrunch“ vor allem um Bilder oder Spaßprogramme. Apple soll die Entwickler angeschrieben und begründet haben: „Der App Store entwickelt sich weiter, und wir passen ständig unsere Richtlinien an“, zitiert unter anderem Techcrunch aus dem Schreiben. Der Zensur zum Opfer gefallen ist unter anderem eine App namens „Wobble“, wie der Programmierer bestätigt. Der Inhalt der Software: Wer das iPhone schüttelte, brachte damit die Bikinibrüste von Frauen zum Wackeln. 500 Dollar pro Tag hat der Entwickler nach eigenen Angaben mit der kostenpflichtigen App pro Tag verdient.

Egal, wie geschmackvoll man es findet, mit dem Schütteln von “Bikinibrüsten” Geld zu verdienen: Es handelt sich doch um eine vergleichsweise harmlose App gegenüber der App jener christlichen Gruppe, die offen Ressentiment gegen Homosexuelle schürt.

"Facebook" statt Nofretete: Die Spinnen, die Ägypter


24 Feb

Nofretete_Neues_Museum  Das soziale Netzwerk soll ja beim Umsturz in Ägypten eine wichtige Rolle gespielt haben. Aus Dankbarkeit dafür hat nun ein ägyptischer Vater seiner neugeborenen Tochter den Vornamen “Facebook” gegeben:

Ihr voller Name lautet Facebook Jamal Ibrahim. Der stolze Vater meinte gegenüber der ägyptischen Tageszeitung “Al Ahram”, dass er und seine Frau, und natürlich das Baby mit dem ungewöhnlichen Namen unzählige Geschenke bekämen. Freunde und Nachbarn versammelten sich um die Kleine, um ihre Unterstützung auszudrücken und der Revolution, die, wie sie sagen, auf dem Internetportal Facebook begann, zu gedenken.

Die spinnen, die Ägypter …

Tageblatt Online – Ein Mädchen namens Facebook – Welt

Wenn Multitasking tödlich endet


28 Jan

Es gab Zeiten, da konnten Computer nur eine einzige Aufgabe gleichzeitig. Wollte man beispielsweise vom Schreibprogramm in die Tabellenkalkulation wechseln, musste man erst das eine Programm schließen, um das andere zu öffnen. Dann kam “Multitasking”, und es wurde zum Schlagwort für ein ganzes Zeitalter. Heutet müssen Arbeiten, Prozesse, Kommunikation und sogar die Freizeitgestaltung gleichzeitig ablaufen, die totale Multitaskisierung des gesellschaftlichen Lebens. Dabei sind wir für Multitasking gar nicht geschaffen, und das kann Folgen haben. Sogar tödliche:

Im Hightech-Krieg sorgt die rapide anwachsende Flut von Information und Kommunikation für Stress. Das ist kein akademisches Problem, wie aktuelle US-Untersuchungen zeigen: In einem konkreten Fall verlor eine Drohnen-Crew den Überblick – und 23 afghanische Zivilisten mussten sterben.

Bei Spiegel Online ist nachzulesen, wie es zu dem Desaster kommen konnte:

Februar 2010, eine Airforce-Base im US-Bundesstaat Nevada: Ein Drohnen-Steuermann und sein Team beobachten eine Menschenansammlung in Afghanistan. Sind es feindliche Kräfte? Oder Zivilisten? Die Mannschaft wertet die Bilder aus, der Stress nimmt zu. Der Mann und sein Team stehen unter kommunikativem Feuer: Neben der Evaluierung der Videobilder arbeiten sie eine Fülle von Instant-Messenger-Nachrichten, Funksprüchen und Anrufen ab – von Vorgesetzten, von Bodentruppen vor Ort, angeblich auch private Nachrichten, möglicherweise sogar von ihren Kindern. Gleichzeitig treffen sie ihre Entscheidung. Nach bisherigem Kenntnisstand ist es eine Fehleinschätzung, die 23 Zivilisten ihr Leben kostete. Der Fall wird noch untersucht und könnte zu einem Militärgerichtsverfahren führen.

In einem bemerkenswerten Artikel der New York Times ist nachzulesen, dass der “data overload” gerade im militärischen Bereich überaus fatale Entwicklungen genommen hat. Allein die Datenfülle, die durch elektronische Spähtechnik in jedem Augenblick zusammengetragen wird, seei um 1600 Prozent gestiegen. Parallel dazu wachse mit der immer besseren kommunikativen Vernetzung auch das Kommunikationsaufkommen. Problematisch daran: Ausgewertet wird diese Datenfülle am Ende von Menschen, die darauf basierend Entscheidungen zu treffen haben, die Menschenleben kosten können. Und dabei, berichtet die Times, könne es zu fatalen Fehleinschätzungen kommen.

Dass der Mensch und sein Gehirn für Multitasking gar nicht geschaffen sind, darüber ist sich die psychologische Forschung einig. Experimente an der RWTH Aachen haben ergeben, dass Gleichzeitigkeit für das Gehirn ein Fremdwort ist. Der zuständige Wissenschaftler, Prof. Iring Koch sagt dazu in einem Interview der Deutschen Welle:

“Es ist tatsächlich so, dass man eigentlich die Dinge nicht gleichzeitig macht. Wir reden hier über zeitliche Abschnitte von hundert Millisekunden oder noch weniger, so dass man eigentlich immer zwischen den einzelnen Aufgaben, zwischen den kognitiven Prozessen, den Denkprozessen hin und her wechselt. Man kann eigentlich nicht zwei Reaktionen oder zwei Entscheidungen gleichzeitig fällen, sondern erst die eine und dann die andere, nacheinander.”

Auch mit dem Vorurteil, dass Frauen eher zu Multitasking befähigt seien als Männer, muss aufgeräumt werden. Auf Geschlechterstudien.de ist dazu zu lesen:

Die Neurobiologin Kirsten Jordan hat sich mit diesem Thema auseinander gesetzt und festgestellt, dass es für die Behauptung, Frauen seien Multitaskingbegabter, absolut keine Beweise gibt. Entgegen vieler Behauptungen gibt es nämlich tatsächlich keine Studien aus denen eine solche Aussage hervorgeht.

Untersuchungen zeigen, dass wir bei der Ausübung einer vielschichtigen Tätigkeit Routine entwickeln können, so dass uns auch bei Multitasking-Tätigkeiten die Dinge schneller von der Hand gehen.

Bei neuen Aufgaben stehen Männer wie Frauen jedoch gleichermaßen unbeholfen da. Sie müssen erst mit den Abläufen vertraut werden, bevor sie zwischen verschiedenen Tätigkeiten zügig hin und her springen können.

US-Militär: Tod durch Multitasking – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Netzwelt

10 Fakten über das World Wide Web


27 Jan

Die B.Z. hat heute eine kleine Liste mit Fakten über das WWW veröffentlicht:

► 107 Billionen E-Mails wurden 2010 weltweit verschickt – 15.440 Mails für jeden Menschen auf der Erde. Das ergibt 293 Milliarden Mails pro Tag, oder 3,4 Millionen pro Sekunde.

► 89,1 Prozent aller Mails sind automatisiert verschickter Spam.

► 7,8 Millionen Follower hat Popstar Lady Gaga bei Twitter – damit ist sie die Nummer eins im Nachrichten-Netzwerk.

► 80 Prozent aller Fotos, die im Internet kursieren, zeigen nackte Frauen.

► 1,97 Milliarden Menschen nutzen das Internet – 28,4 Prozent der Weltbevölkerung.

► 25 Milliarden Nachrichten wurden 2010 weltweit auf Twitter geschrieben – 68 Millionen am Tag, 793 pro Sekunde.

► 600 Millionen Mitglieder hatte Facebook Ende 2010 – das sind 8,6 Prozent der Weltbevölkerung. Knapp jeder dritte Internetnutzer weltweit ist somit bei Facebook angemeldet.

► 30 Milliarden Einträge, also Texte, Kommentare oder Fotos, landen jeden Monat auf Facebook.

► 2 Milliarden Videos werden täglich auf YouTube angeschaut – mehr als 23.000 pro Sekunde. Heißt: Jeder Internetnutzer sieht statistisch etwa ein YouTube-Video am Tag.

► 35 Stunden Videos werden jede Minute auf YouTube hochgeladen.

Internet-Fakten: 10 Fakten über das World Wide Web – B.Z. Berlin – World Wide Web , Internet, Statistik, Lady Gaga, Facebook, Twitter

Anti-Medien-Blog

Medienkritisches Antidepressivum von Hektor Haarkötter