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ARD: Geld sparen mit Trimedialität


05 Mrz

Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) hat einen trickreichen Weg gefunden, Geld zu sparen: Aus drei Chefredakteurs-Posten wird ein einziger gemacht.  Und damit es chique aussieht, tauft man das Ganze modern und nennte den neuen Job “trimedialen Chefredakteur”. Der Blog Flurfunk-Dresden weiß allerdings die Maßnahme richtig einzuordnen:

Trotzdem, man spart jetzt nicht nur einen Chefredakteur und schreibt groß “trimedial” drüber, weil das gut klingt. Wie viel Auswirkungen aber das neue Konzept und die Person Raue konkret auf das TV- und Radio-Programm und die Internetberichterstattung hat – das hängt sicherlich auch von der Bereitschaft der Direktoren ab, den Neuen machen zu lassen.

 

Sparzwang herrscht allerdings auch bei der ARD. Denn sein Geld möchte man bei dem öffentlich finanzierten Senderverbund anderweitig anlegen, wie Spiegel online berichtet:

Rund 54 Millionen Euro will sich die ARD den neuerlichen Kauf von Übertragungsrechten für Boxkämpfe im Ersten kosten lassen – der Vertrag würde die Jahre 2013 bis 2015 umfassen. "Mit Blick auf jüngere Zuschauer" handele es sich um "ein gutes Ergebnis für das Erste Programm", heißt es in einer Beschlussvorlage des MDR-Rundfunkrats.

Es gibt auch eine Begründung für diese immense Investition, die allerdings auch Spiegel online als “eher abenteuerlich bezeichnet:

Er diene dem "audience flow" am späten Samstagabend. Damit ist gemeint, dass populäre Sendungen einem quotenschwachen Format, das im direkten Umfeld gesendet wird, Zuschauer bescheren können. Als positives Beispiel nennen die ARD-Verantwortlichen ausgerechnet das "Wort zum Sonntag". Als 2009 die samstägliche Kurzpredigt in eine Boxübertragung integriert wurde, schrumpfte die Zuschauerzahl nur um knapp die Hälfte – auf rund 3,5 Millionen. Normalerweise verfolgen nur um die 1,7 Millionen Zuschauer die religiösen Botschaften.

Boxen ist, wenn jemand auf die Fresse kriegt. Das tut weh. Aber die ein oder andere Programmentscheidung der ARD tut auch weh.

Stefan Raue: ein trimedialer Chefredakteur für den MDR

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