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Die taz und das Rösler-Interview: Wer ist hier rassistisch?


10 Sep

taz_roesslerIn der heutigen Ausgabe der alternativen Tageszeitung „taz“ aus Berlin erscheint ein Interview mit FDP-Chef Philipp Rösler, das viele weiße Flecken hat: Es wurden nur die Fragen gedruckt, die Antworten fehlen. Warum? Im taz-Hausblog ist dazu zu lesen:

Eine Stunde lang hatten zwei taz-Redakteurinnen mit Vizekanzler Rösler über Koalitionsstreit und Steuerpolitik, aber auch über Hassmails und Rassismus, Röslers asiatische Wurzeln und Rainer Brüderles öffentliche Vergleiche zwischen Bambusrohr und deutscher Eiche gesprochen. Der FDP-Chef antwortete auf alle Fragen. Doch bei der Autorisierung hieß es: Das Interview werde nicht freigegeben, weil Rösler sein asiatisches Äußeres im Wahlkampf nicht zum Thema machen wolle.

Die Praxis des „Autorisierens“ von Politiker-Interviews ist verbreitet und heftig umstritten. Einerseits will keine Redaktion rechtlich in Schwulitäten geraten, weil eine Antwort womöglich unkorrekt wiedergegeben wurde. Andererseits nutzen Pressestellen diese Maßnahme gerne aus, um nicht nur redaktionell, sondern massiv inhaltlich in den Interviewtext einzugreifen und Antworten auf vermeintlich unangenehme Fragen stark zu verändern oder gar zu streichen.

In der Kommentarspalte des taz-Hausblogs tobt allerdings noch eine andere Debatte: Die nämlich, ob womöglich die Fragestellungen der taz-Journalistinnen selbst einen inhärenten Rassismus vorwiesen. Kreisen sie doch so stark und immer wieder nur um dieses eine Thema, die asiatische Herkunft und das entsprechende Aussehen Röslers. Die Meinung der taz-Chefredakteurin zum Thema ist hier nachzulesen.

Ministerpräsidenten-Prosa


14 Aug

McAllister bei Landesparteitag, Quelle: Wikimedia

Der niedersächsische Ministerpräsident David McAllister hat sich interviewen lassen. Von der eigenen CDU-Pressestelle. Und dieses Interview zur Veröffentlichung angeboten. Da war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch jemand zugriff. Nun hat das Anzeigenblatt CelleHeute das Interview tatsächlich nachgedruckt. Die Berliner tageszeitung dazu:

In der Rubrik „Für Sie über uns“ gibt die Seite Celleheute als „Credo“ den Ausspruch des ehemaligen Tagesthemen-Moderators Hajo Friedrichs an: „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache.“ Dummerweise handelt es sich bei dem Interview um einen Wahlkampfauftritt der CDU: Kritische Fragen, etwa zur Affäre um McAllisters politischen Ziehvater Wulff, fehlen darin, ebenso der Name des Interviewenden. Verschickt hat das Stück die Pressestelle der Landes-CDU – an die „Anzeigen-Zeitungen in Niedersachsen“, um erklärterweise deren „redaktionelle Arbeit zu unterstützen“.

Wohl nur durch ein Versehen ist das Interview auch an reguläre Tageszeitungen verschickt worden. Auf diese Weise gelangte es auch an die „taz.nord“, die den Umstand nun öffentlich machte. Stern.de spricht sogar schon von einem „Presse-Gate“. Naja. Von der Website von CelleHeute ist das Interview mittlerweile wieder verschwunden. Dafür ist dort ein larmoyanter Kommentar zu lesen, der zeigt, dass die Redaktion wenig journalistisches Unrechtsbewusstsein zu zeigen bereit ist:

Dabei kann es sich aus unserer Sicht nur um Urlaubs- bzw. Sommerlochvertretungen handeln, denn solche und ähnliche Textvorlagen, auch von der “feixenden Opposition”, sind gang und gäbe. Politiker aller Parteien schreiben sogar über sich in dritter Person, und das täglich und mehrfach.

Immerhin wolle man prüfen, ob es sich bei dem Interview nun um ein „echtes“ Interview gehandelt habe und gegebenfalls reagieren:

Sollte sich herausstellen, dass das Interview keins war, sondern tatsächlich wie im “Spiegel” angegeben ein Alleingang des Pressebeauftragten, dann müssen und werden wir unsere Beziehung zur CDU-Pressestelle neu und sorgfältig prüfen.

Vielleicht hätte man das ja vor der Veröffentlichung prüfen sollen …

Anti-Medien-Blog

Die journalistische Notfallpraxis im Web von Hektor Haarkötter