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Umfrage: Sind wir alle „Lügenpresse“?


05 Nov
Foto: BirgitH/Pixelio

Foto: BirgitH/Pixelio

20 Prozent der Bundesbürger halten laut Meinungsforschungsinstitut Infratest Dimap  den Vorwurf der „Lügenpresse“ gegenüber den deutschen Medien insgesamt für gerechtfertigt. Das hat eine repräsentative Umfrage ergeben, die das Institut im Auftrag des Radiosenders WDR5 angestellt hat. Die Behauptung,  dass in deutschen Medien gelogen, also absichtlich die Unwahrheit gesagt wird, befürworten sogar 39 Prozent der Befragten. Auf die Frage, welchen Medien genau sie diesen Vorwurf machen, nannten 30 Prozent der Befragten das öffentlich-rechtliche Fernsehen.

Das sind deutliche Zahlen, die recht eindrucksvoll den Glaubwürdigkeitsverlust der Medien und des Journalismus widerspiegeln. Umso verwunderlicher, wie der auftraggebende Sender WDR5 diese Zahlen interpretiert:

Mit dem alten Nazi-Kampfbegriff „Lügenpresse“ bringen die Anhänger der „Pegida„-Bewegung gerne ihre Verachtung für die Medien zum Ausdruck. Der überwiegende Teil der Bundesbürger sieht das anders. Das ergab eine Studie des Meinungsforschungsinstituts infratest dimap.

So kann man die Umfrageergebnisse eigentlich nicht interpretieren, außer man will genau den Vorwurf belegen, es mit der (statistischen) Wahrheit nicht ganz so genau zu nehmen. Denn tatsächlich sind die Werte und der Glaubwürdigkeitsverlust gerade auch der öffentlich-rechtlichen Programme dramatisch. Das sieht der von dem Sender befragte Konfliktforscher Andreas Zick auch so, und glaubt sogar noch, dass die Zahlen noch steigen könnten:

Diese 20 Prozent stellen für den Konfliktforscher Prof. Andreas Zick „einen relativ hohen Wert“ dar. Der Direktor des Bielefelder Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung sagte dazu dem WDR: „Die Bezeichnung ‚Lügenpresse‘ ist ein sehr hartes Urteil aus dem rechtspopulistischen Raum. Diese Menschen sind von den etablierten Medien eindeutig nicht mehr zu erreichen und orientieren sich woanders. Sie befinden sich im Zustand der Orientierungslosigkeit – und in diesem Zustand greift Propaganda. Diese 20 Prozent sind für Populisten durchaus noch ausbaufähig.“

42 Prozent der Befragten gehen auch davon aus, dass es Vorgaben der Politik für die Medien gibt. Dieses Problem kennen öffentlich-rechtliche Sender ja gut. Die ganze Umfrage ist im Netz hier zu finden:

„Glaubwürdigkeit der Medien“ (pdf)

 

 

Onliner oder Nonliner?


08 Jul

Die Initiative D21 erhebt jährlich in Zusammenarbeit mit TNS Infratest die Zahl der Onliner bzw. (N)Onliner in der Bundesrepublik Deutschland. Nun wurden die aktuellen Zahlen für das zurückliegende Jahr vorgelegt. Ergebnis: Rund 22 Prozent der Deutschen sind überzeugte Offliner und besitzen bzw. benutzen keinen Internetanschluss. Die Kluft zwischen Internetnutzern und „Nonlinern“ verläuft, wie t3n.de berichtet, anhand der Grenzen Herkunft, Einkommen, Alter und Geschlecht:

Auch wenn sich im Vergleich zum Vorjahr ein wenig etwas bewegt hat, zeigt der (N)onliner-Atlas 2011, dass der digitale Graben zwischen Alters-, Einkommens- und Geschlechtergruppen immer noch sehr real ist. So sind beispielsweise lediglich knapp über die Hälfte der Haushalte mit einem Nettoeinkommen von unter 1.000 Euro online – Haushalte mit einem Nettoeinkommen von über 3.000 Euro sind mit über 92 Prozent fast vollständig online.

Zudem gehen nur ein Viertel der Über-70-Jährigen online und Frauen (69%) signifikant seltener als Männer (80%). Vor allem aber bildet sich auch die deutsche Teilung nach wie vor in der Internetnutzung ab, wie stern.de analysiert:

Auch regional gibt es deutliche Unterschiede bei der Internetnutzung. Im Vergleich der Bundesländer liegt Bremen mit einer Quote von 80,2 Prozent an der Spitze. Danach folgen Berlin (79,3 Prozent), Baden-Württemberg (78 Prozent), Hessen (77,1 Prozent) und Hamburg (76,5 Prozent). In den ostdeutschen Ländern liegt die Nutzungsquote niedriger. Schlusslicht ist Sachsen-Anhalt mit einer Quote von 64,2 Prozent.

Die Initiative D 21 ist ein Netzwerk aus Politik und Wirtschaft, an dem sich mehr als 200 Unternehmen und Institutionen sowie politische Partner aus Bund, Ländern und Kommunen beteiligen.

Anti-Medien-Blog

Die journalistische Notfallpraxis im Web von Hektor Haarkötter