SZ schafft den Onlinejournalismus ab

25 Mrz
Screenshot: Neuer Webauftritt der SZ

Screenshot: Neuer Webauftritt der SZ

Die Süddeutsche Zeitung hat ihren Onlineauftritt neuerlich relauncht: Gedruckte Zeitung und Internetangebot sollen zusammenwachsen. Damit wird nun auch für die Leser manifest, was sich organisatorisch mit der Aufnahme des Onlineleiters in den Kreis der Chefredaktion im vergangenen Jahr schon abzeichnete. Dabei löste gerade diese Beförderung beinahe einen „Kulturkampf“ in der SZ-Redaktion aus und brachte das schöne Buzzword „Hoodiejournalismus“ mit sich. Das Bemerkenswerte an diesem Relaunch ist, dass die Süddeutsche nicht mehr zwischen Online- und Printjournalismus unterscheiden will: Im neuen Seitenkopf des Onlineauftritts wird das auch dadurch deutlich, dass „sz.de“, „Zeitung“ und „Magazin“ in einer Eintracht nebeneinander stehen, die sich wahrscheinlich redaktionell und personell erst noch beweisen muss. Dem Süddeutschen Magazin wird bei der Gelegenheit gleich ein komplett neuer Auftritt spendiert. In Ankündigungstext zum Relaunch heißt es:

Für eine Zeitung im modern verstandenen Sinne soll es keinen Unterschied mehr machen, wo und wie sie erscheint, ob als ständig aktualisierte Nachrichtenseite oder als tägliche Ausgabe, digital oder auf Papier.

szplus02Zusammen mit dem optischen und redaktionellen Relaunch wird ein neues Pay-System eingeführt, das „SZ plus“ heißt. Für einen Tagespreis von 1,99 Euro hat der Leser Zugriff auf alle Angebote von sz.de bis zur Digitalversion der gedruckten Zeitung, entweder mittels App oder als Epaper. Zum Relaunch gibt es noch ein spezielles Angebot, nämlich einen 2-wöchigen kostenlosen Probezugang.

Der letzte Relaunch von SZ Online ist erst gute zwei Jahre her. Schon damals erwies sich das Team um Stefan Plöchinger als eines der innovativsten im deutschen Onlinejournalismus. Besonders die Schlichtheit der Seite zusammen mit einem großen Maß an Usability wussten da schon zu überzeugen: Dazu zählen kurze Zusammenfassungen der Onlinetexte direkt nach dem Lead mit Bulletpoints oder auch die Rubrik mit den Netzempfehlungen aus anderen Redaktionen, was SZ-intern wohl anfangs nicht nur Befürworter fand, aber „in the long run“ den SZ-Online-Auftritt zu einem kompetenten Lotsen durch die Welt der Onlineinformationsbeschaffung machte.

Am neuen Online-Layout fällt vor allem auf, dass der untere Teil der Webseite fast nur noch aus großformatigen Bildern bzw. bebilderten Beiträgen besteht: In Zeiten des „visual turn“ vermutlich kein Wunder, sondern eine Referenz an den multimedialen Zeitgeist.

Der Onlinejournalismus ist tot — der Printjournalismus aber auch: Es lebe der Journalismus!

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