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"Wetten, dass" und Audi: Was ist schon ein Menschenleben gegen den Verkauf eines Autos?


08 Dez

Was ist schon ein Menschenleben gegen den Verkauf eines Autos? Das Fachmagazin Journalist hatte schon vor einigen Monaten darüber berichtet, dass der Autohersteller Audi und das ZDF mit seiner Sendung „Wetten, dass“ eine enge geschäftliche Liaison eingegangen sind. Audi ist es offenbar Millionensummen wert, seine Automobile in der Samstagabendshow des Zweiten Deutschen Fernsehens präsentieren zu können:

Manchmal ist nicht ganz klar, wo beim ZDF die größere Kreativitätsleistung erbracht wird. Bei der Entwicklung neuer Programmideen – oder doch eher beim Verschachteln undurchsichtiger Kooperationen mit Partnern aus der Industrie? Das beste Beispiel dafür ist Wetten, dass ..?. Seit Jahren werden Autos verlost oder verschenkt, die Moderator Thomas Gottschalk in der Unterhaltungssendung vorstellt. Eine Zeit lang war Mercedes „Automobilpartner“, derzeit ist Audi am Zug.

Im Rundfunkstaatsvertrag wird so ein Geschäftsgebaren zwar als „Beistellung“ definiert, die dann zulässig sei, wenn für Produkte, die etwa bei Gewinnspielen verlost würden, nichts bezahlt würde. Informationen des Journalists zufolge zahle aber Audi für die Kooperation mit Wetten, dass ..? 1,8 Millionen Euro für zwei Staffeln.

Abgewickelt wird der Deal über die Firma Dolce Media, die Thomas Gottschalk und seinem Bruder Christoph gehört, der auch die Geschäftsführung innehat. Laut Definition des 13. Rundfunkänderungsstaatsvertrags ist eine Kooperation, bei der es um Bildschirmpräsenz geht und für die das Unternehmen bezahlt, Product Placement. Und seit Inkrafttreten dieses Staatsvertrags im April ist Product Placement öffentlich-rechtlichen Sendern grundsätzlich verboten. 

Das ZDF leugnet einen solchen Zusammenhang. Moderator und Dolce Media-Gesellschafter Thomas Gottschalk erläuterte allerdings schon vor sechs Jahren in einem Focus-Interview:

„Es lag nahe, sich um die Vermarktung von Wetten, dass ..? zu kümmern. (…) Mein Bruder hat sich dann mit dem ZDF zusammengesetzt und Partner gesucht. Ich komme ja aus einer Zeit, in der das öffentlich-rechtliche Fernsehen die Sendungen, die es produziert hat, auch noch bezahlen konnte. Heute sagt der Sender schon mal, diesen Gast können wir uns nicht leisten, dieses Bühnenbild ist uns zu teuer. Deshalb muss es neue Ideen zur Finanzierung geben. (…) Was mit Gebühren nicht mehr zu finanzieren ist, fällt eben weg, oder es müssen Sponsoren ran.“

Zum Sponsoring zählt wohl auch, dass Thomas Gottschalk als Moderator und Werbepartner bei „Events“ der Fa. Audi auftritt und sich hierfür mutmaßlich gesondert honorieren lässt. So liest man auf dem „Thomas Gottschalk“-Weblog („Aktuelle Infos über Deutschlands Showmaster Nr. 1“) unter der Überschrift „100 Jahre Audi: Kanzlerin zu Gast bei Gottschalk“:

Bei Audi laufen die Vorbereitungen für die Jubiläumsfeierlichkeiten auf Hochtouren. Höhepunkt zu Beginn ist der Festakt am 16. Juli 2009, zu dem sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel angekündigt hat. (…) Der Festakt wird von Thomas Gottschalk moderiert, zahlreiche prominente Persönlichkeiten aus Industrie, Sport und Motorsport werden erwartet“.

Auch als Zugpferd für Autopräsentationen lässt Thomas Gottschalk sich gerne neben den neuesten Audi-Modellen ablichten (Beispiele finden sich hier, hier und hier). Und auf der Website der ZDF-Show darf Audi gleich mehrfach werblich, mit Banner und mit einem Video, für sich werben. Der Journalist hat herausgefunden:

Als Herausgeber der Seite wird Dolce Media ausgewiesen, der Betrieb erfolgt bei Bauer Digital, einer Tochter des Hamburger Bauer-Verlags, in dem auch TV Movie erscheint. Der Programmzeitschrift liegt regelmäßig das gedruckte Wetten-dass..?-Magazin bei. 

Der Branchendienst Meedia sieht darum einen Zusammenhang zwischen dem Sponsorenvertrag mit Audi und dem tragischen Unfall am vergangenen Samstag in der Wetten, dass-Show, bei dem ein Amateurstuntman sich offenbar bleibende Verletzungen zugezogen hat:

Wie die Idee zum Power-Rizer-Stunt entstand, ist unklar. Es passte allerdings nur zu gut ins Sponsoren-Konzept, dass der Student seine waghalsiges Salto-Akrobatik über fahrenden Autos inszeniert und nicht etwa beispielsweise über Heuwagen, wo sein Sturz wohl glimpflicher hätten enden können. Erschwerend für den Sprung war auch, dass die A8-Limousine als Flaggschiff der Audi-Flotte 5,15 Meter misst – ein weiter Weg für einen Satz auf Sprungfedern…

Der Evangelische Pressedienst resümiert in einem Beitrag, der auch online steht, dass sich das ZDF in der „Quotenspirale“ befinde und zitiert den Rheinland-Pfälzischen Ministerpräsident Kurt Beck, im Nebenberuf Verwaltungsratsvorsitzender des ZDF, es müsse darüber gesprochen werden, wann die Grenzen des Verantwortbaren überschritten würden. Allerdings, mit Quotendruck und Zuschauerzahlen hat all das vielleicht nicht mehr viel zu tun. Eher hat es womöglich mit Geld zu tun, mit den Verpflichtungen gegenüber einem Groß-Sponsor und mit den wirtschaftlichen Abhängigkeiten, in die sich ein vorgeblich unabhängiger öffentlich-rechtlicher Sender begeben hat. Am Golde hängt, zum Golde drängt doch alles: Ach, wir Armen …

Journalist: Der Partner zahlt ZDF Wetten, dass und Audi

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