Welt.de: Sternstunden des Online-Journalismus

18 Sep
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Foto: Pixabay (PD)

„Forscher diskutieren: Wird der Buchstabe V etwa abgeschafft?“ So ist es auf welt.de zu lesen. Das ist natürlich ein dicker Hund, da liest man natürlich sofort weiter. Nach dem 13. Schuljahr, der Sendung „Wetten, dass“ sowie der steuervergünstigten Lebensversicherung will man uns jetzt auch noch den Buchstaben „V“ wegnehmen?

Aber schon beim flüchtigen Lesen des Welt-Beitrags kommen einem leise Zweifel. Gibt es wirklich Forscher, die das „V“ abschaffen wollen? Und wer hat eigentlich die Verfügungsgewalt über unser Alphabet?

Ich nehme mal direkt die Pointe vorweg: Niemand will den Buchstaben „V“ abschaffen. Es gibt auch keine „Forscher“, die darüber „diskutieren würden. Das einzige, was es gibt, ist eine kleine Rubrik auf der Webseite der Gesellschaft für Deutsche Sprache e.V., in der Fragen zu sprachlichen Zweifelsfällen gestellt werden können. Und im jüngsten Posting dieser Rubrik wird die Frage gestellt:

Ein koreanischer Freund wollte wissen, was der Unterschied zwischen ‹V› und ‹F› sei. Nun frage ich mich, ob der Buchstabe ‹V› überhaupt eine Berechtigung in der deutschen Sprache hat. Oder gibt es Fälle, in denen er weder durch ein ‹W› noch durch ein ‹F› ersetzt werden kann?

Hierauf gibt tatsächlich ein Mitarbeiter der Gesellschaft für Deutsche Sprache die durchaus richtige Antwort, dass in allen Fällen im Deutschen lautlich der Buchstabe „V“ entweder durch „W“ oder „F“ ersetzt werden könnte. Aber weder lässt sich daraus eine „Diskussion“ ableiten, noch fordert irgendjemand ernsthaft, einen Buchstaben „abzuschaffen“.

Der Autor der Welt-Zeilen schreibt denn auch einfach fleißig dieses Posting der Gesellschaft für Deutsche Sprache e.V. ab. Dort wo er, vermutlich aufgrund nachlässigen Googlens, doch noch etwas selbst hinzufügt, ist es prompt falsch. Zum Beispiel diese Behauptung hier:

Das klassische Latein unterscheidet die Laute U und V nicht.

Das ist schon rechter Schmarrn, denn natürlich unterscheidet der Lateiner von Alters her den „ursus“ (lat. der Bär) von der „victoria“ (lat. der Sieg). Dass in Stein gemeißelt das „U“ bei den Römern häufig wie ein „V“ aussah, hat tatsächlich keine lautlichen Gründe, sondern Meißel-Gründe.

Übrig bleibt, dass Clickbate-Geschichten nicht einmal vor der deutschen Sprache und der dazugehörigen Gesellschaft halt machen. Obwohl hier eigentlich noch nicht mal von einer Geschichte gesprochen werden kann. Es ereignete sich auf der Welt-Webseite, um mal sehr frei mit Robert Gernhard, bewegtes Nichts, und dann kehrte wieder Ruhe ein.

 

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Vor 65 Jahren: Das erste Micky-Maus-Heftchen erscheint

31 Aug

mickeym02Zeitungsenten mal anders: Vor 65 Jahren, genau am 28. August 1951, erscheint in Deutschland das erste Micky-Maus-Heftchen. Die Meinungen darüber gingen von Beginn an weit auseinander. Die Berliner Tageszeitung Der Tagesspiegel schrieb:

„Mit den Bilderserien springt die Menschheit zurück in eine Urwelt der Bilder und Symbole. Es ist der Sprung über die Aufklärung hinweg in ein wollüstiges Analphabetentum. Kann man die zwar harmlosen, aber unendlich hingedehnten und aufgeschwollenen Micky-Maus-Hefte überhaupt ansehen ohne zu erschrecken über die Banalität der Texte in ihrem infantilen Pidgin-Englisch und über die Rückerziehung zum Primitiven?“

Im WDR Zeitzeichen dagegen äußert sich der Literaturkritiker Dennis Scheck eher hymnisch:

„Sie hat diese Geschichten in das Stahlbad der deutschen Klassik getaucht und eine Sprache dafür gewählt, die deutlich geprägt war von Hölderlin, von Schiller. Sie hat im Grunde eine Möglichkeit eröffnet, wie man als Kind schon und als kindlicher Leser einen Sprachkosmos betreten kann, der an Komplexität nichts zu wünschen übrig lässt“.

Immerhin sind die häufigen Interjektionen als typisches Merkmal der Comic-Sprechblasen („würg“, „grübel grübel“ etc.) auch zu sprachwissenschaftlichen Ehren gekommen und werden nach der deutschen Micky-Maus-Übersetzerin Erika Fuchs auch „Erikative“ genannt.

Im gleichen Zeitzeichen sind auch interessante Details zu erfahren, zum Beispiel das Entenhausen nur in Deutschland so heißt oder dass der stellvertretende Kulturchef der F.A.Z. bekennender „Donaldist“ ist. Etwas trübt den schönen Eindruck dieses Minifeatures, dass es deutliche und nicht ausgewiesene Anleihen bei einem Beitrag zum gleichen Thema genommen hat, das vor fünf Jahren im Deutschlandfunk gelaufen ist.

 

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Kölner Stadtanzeiger: Trennung von Bericht und Kommentar nicht so wichtig

23 Jul

Die Trennung von Bericht und Kommentar im Journalismus ist in Deutschland erst jüngeren Datums. Schon lange vor der NS-Zeit war Presse hierzulande Meinungspresse, häufig sogar Parteipresse. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg hat man sich in (West-)Deutschland dem anglo-amerikanischen Stil der objektiverenden Berichterstattung mit klarer Trennung von berichtenden Darstellungsformen und solchen eher meinungsbildenden (oder: -formulierenden) Typs angepasst. Jedenfalls auf dem Papier. Oder noch nicht mal da?

Jedenfalls ist diese Trennung im Alltag schwer aufrechtzuerhalten. Was ist eine Wertung? Was ist eine Meinung? Und was ist keine? Hinter jeder Vokabel kann eine Wertung stecken, jedes Adjektiv ist die auch subjektive Beimessung von Eigenschaften, die jemand anders eben, naja, anders sehen könnte.

Auch der Kölner Stadtanzeiger gibt vor, Kommentar und Bericht zu trennen. So gibt es eine eigene Seite im ersten Buch, meistens die Seite 4, die explizit „Meinung“ überschrieben ist. Und auch im Sportteil, etwa in der gestrigen Ausgabe, gab es einen Text, der mit „Kommentar“ gekennzeichnet war: Es war eine Stellungnahme von Sportredakteur Frank Nägele zum Wechsel des Fußballers Mario Götze zu Borussia Dortmund. Auf der gleichen Seite des Sportteils gab es aber auch einen Beitrag über die Bezahlung von TV-Experten bei Fußballübertragungen von Cristiane Mitatselis unter der Überschrift „Neues aus der Welt der überbezahlten Experten“.

Als Kommentar ist dieser Beitrag nicht gekennzeichnet. Es soll sich also wohl um einen sachlichen, „objektiven“ Bericht handeln. Schon diese Überschrift macht jedoch stutzig, weil das Adjektiv „überbezahlt“ natürlich eine ziemlich starke Wertung enthält. Und dann findet man im vorletzten Absatz eine ganze Reihe Fragen:

Fußball ist der Sport, den alle sehen wollen. Aber müssen auch die Kosten rundherum so hoch sein? Müssen die Sender Stars um jeden Preis einkaufen? Müssen sie den Gehalts-Irrsinn, der den Profi-Fußball beherrscht, in den TV-Bereich übertragen? Sollten sie nicht vielmehr nachvollziehbare Honorar-Sätze festlegen – und im Zweifelfall auf teure Stars verzichten?

Der Fragesatz ist in journalistischen Texten besonders intrikat: Wer etwas zu berichten hat, der spricht in Aussagesätzen, nicht in Fragesätzen. Was also machen Fragen, außerhalb von Interviews, überhaupt in journalistischen Texten? Haben sie dort etwas zu suchen? Sollte jemand fragen stellen, der nur Tatsachen konstatieren möchte?

Nein. Wer Fragen stellt der wertet, er stellt nämlich etwas in Frage. Die journalistische Frage ist darum ein versteckter Kommentar. Nicht nur implizit, sondern explizit macht die Autorin dann so meinungsschwanger weiter:

Für ARD und ZDF müsste Transparenz verpflichtend sein. Sie sollten erläutern, welche Personalpolitik sie verfolgen. Das beleidigte Schweigen der Sender kann nicht die Antwort sein. So wird es neue Enthüllungen geben, neue schockierende Honorar-Zahlen. Und immer mehr zu recht empörte Zuschauer.

„Müssen“, „sollen“, „schockierend“, „empört“: Die Sachebene neutraler Berichterstattung ist hier längst verlassen. Hier werden nicht Tatsachen dargestellt, sondern Handlungsmaximen formuliert, Empfehlungen gegeben, Normen aufgestellt. Das ist prinzipiell nicht ungehörig, sollte dann aber eben doch als Meinungsbeitrag kenntlich gemacht werden: Das wäre fair dem Leser und der Leserin gegenüber. Geschmäckle bekommt ein solch tendenziöser Beitrag dadurch, dass Zeitungsverlage gegenüber Fernsehsendern ja keine neutralen Beobachter sind, sondern sich häufig als Konkurrenten oder gar Gegner verstehen — Stichwort Tagesschau-App, Verleger-Fernsehen, Lokalberichterstattung etc.

Zeitungen dürfen und sollen Fernsehsender kritisieren, öffentlich-rechtliche zumal. Aber sie sollten ihre Kritik dann auch als solche kenntlich machen. Sonst geht der (Tor-)Schuss nach hinten los.

Postscript: Das an dieser Stelle verwendete Foto von Günter Netzer und Gerhard Delling vor einer ARD-Wand habe ich zwischenzeitlich entfernt. Die „dpa-Picture Alliance“ fand es angemessen, Rechte an diesem Bild zu reklamieren und mich deswegen abzumahnen. Schade, dass die Deutsche Presse-Agentur (dpa) auf diese Weise mit Bloggern umgehen muss, die nicht-kommerzielle Seiten führen, um dem Journalismus qualitativ ein bisschen auf die Sprünge zu helfen.

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Welches Medium informierte über den Türkei-Putsch?

18 Jul

Mit einem Facetime-Video soll Erdogan sich in der Nacht des türkischen Militärputsches in der Öffentlichkeit zurückgemeldet und dadurch den Putschisten das Wasser abgegraben haben. Aber stimmt das? Welches Medium hat am besten über den Putschversuch in der Türkei informiert?

„How FaceTime stopped the Turkish coup“ titelte die britische DailyMail online. FaceTime und damit ein Onlinevideosystem soll den Putschversuch in der Türkei zu Fall gebracht haben. Das „Beweisfoto“ allerdings erzählt etwas anderes:

Erdogan_used_FaceTime_to_talk_to_a_journalist

Die Reporterin hält zwar tatsächlich ein Apple IPhone mit dem Konterfei Erdogans hoch, aber wo tut sie es? Sie tut es im Fernsehen, dem türkischen Nachrichtenkanal NTV. Nach wie vor nur über das Fernsehen erzielt man die Reichweite, um eine so große Menge an Menschen, Wählern und Bürgern zu erreichen, dass man sogar einen Militärputsch aufhalten kann.

In Deutschland allerdings kamen die ersten Nachrichten nahezu in Echtzeit über das Internet und auf den Mobiltelefonen an: Wer Bekannte oder Kollegen in der Türkei hatte, der twitterte mit ihnen oder nutzte WhatsApp für neueste Informationen.

Mich selbst erreichten die ersten beunruhigenden Nachrichten in der Türkei auf dem abendlichen Semesterabschlussfest meiner Hochschule. Journalistenkollege Frank Überall war gerade von einer beruflichen Reise aus Istanbul zurückgekehrt und twitterte, was das Zeug hielt. Wir checkten die deutsche ntv-App und guckten, was englische Medien so im Netz zu berichten wussten.

Als ich mich gegen 23 Uhr nachhause begab, schaltete ich das Fernsehen an und erlebte eine Enttäuschung: Nur der deutsche Nachrichtenkanal ntv war in der Türkei live dabei. ARD und ZDF inkl. ihrer Spartenkanäle war das umwälzende Ereignis nicht einmal ein Schriftband wert. Auch der andere „Nachrichtenkanal“, N24, sendete lieber seine Dokumentation weiter, als das Programm für die Breaking News aus der Türkei zu unterbrechen.

Also doch: Online first.

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Sternstunden des Onlinejournalismus

01 Jul

BildschirmfotoAch, er kann so schon sein, der Onlinejournalismus. So schnörkellos, von poetischer Tiefe, von sanfter Sprachmacht. Er kann natürlich auch so sein:

Diese Rückansicht verzückt. Doch wem gehören diese wunderschönen Rundungen? Eines ist klar, es steckt eine Blondine dahinter, die offenbar sehr mit ihrem Körper zufrieden ist. Und das kann sie auch sein, denn immerhin hat unser gesuchter Star bereits zwei Söhne zur Welt gebracht.

Zu lesen auf der Website des Nachrichtensenders ntv unter der Überschrift „Verruchter Popo-Knipser: Kate zeigt nackte Kehrseite“. Gratulation!

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2. Kölner Forum für Journalismuskritik

21 Jun

Am 10.Juni 2016 veranstaltete die Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) e.V. zusammen mit dem Deutschlandfunk das 2. Kölner Forum für Journalismuskritik. Hier ein paar Videoimpressionen von dieser Veranstaltung:

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ZDF: Horrorfilm statt Kinderprogramm

30 Mai

horror-film-1236105_960_720Gruselige Panne im Kinderprogramm des ZDF am Sonntagmorgen: Statt „Coco – Der neugierige Affe“ lief eine halbe Stunde lang „Halloween – Die Nacht des Grauens“. Schuld sei ein Umsetzungsfehler der ZDF-Sendeleitung gewesen. Um 6 Uhr 29 wurde der Horrorstreifen wieder  aus dem Programm genommen. Mehrere Zuschauer hatten sich zuvor bei dem Sender beschwert, wie der Tagesspiegel zu berichten weiß.

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Kölner Express illegal

26 Apr

Express_illegal_smallLegal, illegal, scheißegal: Der Kölner Express, ein Boulevardblatt, das eigenartigerweise immer für die „bessere“ Bildzeitung gehalten wird, ist eigentlich unverdächtig, zur Spontiszene zu gehören. Aber für eine knackige Schlagzeile, die einen Wirkungstreffer in die Logik der deutschen Sprache erzielt, ist man sich beim Express dennoch nie zu schade.

So auch in diesem Fall: Zwei junge Männer haben sich im nächtlichen Köln in ihren Mercedes- und BMW-Autos ein Kräftemessen geliefert, einer verlor die Kontrolle über das Fahrzeug, erfasste eine 19-jährige Radfahrerin, die an den Folgen verstarb. Die Bewährungsurteile stießen nicht überall auf Verständnis. Das Gericht schätzte das Geschehen aber nicht als verabredetes Autorennen ein.

Den Kölner Express ficht das nicht an. In seiner Spekulation auf die brodelnde Volksseele verursacht das Boulevardblatt gleich noch einen eigenen Unfall und fordert: „Gesetz gegen illegale Rennen“.

Wie nun? Wenn die Rennen „illegal“ sind, dann sind sie schon gegen das Gesetz. Das Wort kommt nämlich vom lateinischen lex = Gesetz. Ein Gesetz gegen „illegale Rennen“ wäre also eines, das diese Rennen wieder erlauben würde. Das ist ziemlich illegal gedacht, es verstößt zwar nicht gegen das Strafrecht, aber doch gegen fundamentale Denkgesetze.

Ein Gesetz gegen niederen Blödsinn, das wäre einmal etwas.

 

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Das Lügenpressen-Märchen

19 Apr
luegenpresse

Screenshot: www.lügenpresse.de

Insbesondere aus Pegida- und AFD-Kreisen müssen sich Journalist/innen in der letzten Zeit den Vorwurf der Lügenpresse gefallen lassen. Gegen den pauschalen Vorwurf der Falschberichterstattung wehrt sich jetzt eine Gruppe von Journalisten und hat mit lügenpresse.de einen Anti-Lügenpressen-Blog gegründet.

„Über Monate haben wir Journalisten geschwiegen. Wir ließen uns beschimpfen und wehrten uns kaum. Wir ertrugen den Un-Sinn aller Montagsredner und waren fortan die ‚Lügenpresse‘. Überall! Im Fußball-Stadion, im Stadtgespräch, sogar im Familienkreis. Und viele dachten, das geht von allein wieder weg. Tut es aber nicht! Deshalb wird es Zeit, dass die ‚Lügenpresse‘ das Wort ergreift und wir unsere Version erzählen. Hier spricht also die ‚Lügenpresse‘!“

Hinter dem Blog steckt die DDV-Mediengruppe, die unter anderem die Sächsische Zeitung und die Dresdner Morgenpost herausgibt. Mit Sitz in Dresden kann man also sagen, dass die Macher im Herzen der Bestie stecken und vermutlich ganz persönlich getroffen sind von den unsachlichen Angriffen.

Auch der Deutsche Journalisten Verband (DJV) nimmt sich im Web des Themas an. Der Blog Augenzeugen.info sammelt Berichte von Journalist/innen, die in Ausübung ihrer Tätigkeit angegriffen worden sind.

luegenpresse_transcript_buchWer historische und wissenschaftliche Hintergründe zum Lügenpressen-Vorwurf nachlesen will, dem sei die Studie von John Seidler „Die Verschwörung der Massenmedien“ empfohlen. Seidler, der auch Dozent an der Kölner Sporthochschule ist, skizziert eine Kulturgeschichte angeblicher Medienverschwörungen vom Buchhändler-Komplott bis zum Lügenpresse-Vorwurf. Das Buch ist jüngst im Bielefelder Transcript-Verlag erschienen.

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Streik bei Zeit Online

02 Apr

zeitonlineDie Redakteure von Zeit Online wollen nach Ostern in den Streik treten. Die Onlinejournalisten wollen in Tarifverhandlungen eine Gleichbehandlung mit den Kollegen der gedruckten „Zeit“ durchsetzen. Wie bei vielen Onlinemedien ist es auch im Zeitverlag so, dass die Onliner deutlich weniger verdienen als die Printjournalisten aus demselben Haus.

Die Gewerkschaften Verdi, der Deutsche Journalisten-Verband und der Berliner JVBB fordern, das Gehalt der Onliner an das Niveau der Print-Kollegen der Zeit anzugleichen. Laut einem taz-Bericht verdienen die Onliner bei der Zeit im Schnitt rund 10.000 Euro weniger als die Print-Kollegen.

Die Wochenzeitung Die Zeit rühmt sich, wie auch ein taz-Kommentar kritisch notiert, dass Print und Online besonders gut verzahnt seien. So schreiben Onlineredakteure auch für die gedruckte Ausgabe und umgekehrt. Gleichzeitig ist die Wochenzeitung sehr profitabel und macht mit Rekordauflagen auch Rekordgewinne.

Auch andere Verlagshäuser behaupten, dass sie zwischen Print und Online eigentlich nicht mehr unterschieden, behandeln aber ihre Mitarbeiter sehr unterschiedlich: Im Springerverlag sind beispielsweise die Bildredakteure und die Onlinejournalisten bei verschiedenen Gesellschaften beschäftigt.

Die Verlage begründen unterschiedliche Bezahlungen damit, dass im Onlinejournalismus zu wenig Geld erlöst wird. So argumentiert auch der Zeitverlag.

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Anti-Medien-Blog

Die journalistische Notfallpraxis im Web von Hektor Haarkötter